Nah dran 4/09
Im Einklang mit der Natur

- Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur: Am Pamingerhof wird nachhaltig gewirtschaftet.
Der Nebel hängt zäh über der Donau an diesem feuchtkalten Morgen. In sanften Serpentinen schlängelt sich die schmale Panoramastraße im südlichen Donautal den Hang hinauf. Sie gibt - trotz der grauen Nebelschwaden - spektakuläre Ausblicke frei auf den Fluss und die herbstlich bunten Wälder, die ihn säumen. Schließlich weist ein Holzschild den Weg zum "Pamingerhof". Der Güterweg endet zwischen Gemüsegärten, Gewächshaus, Tischlerei und Schafweiden - ein Bauernhof, jenseits von Lärm und Hektik. Ein Bauernhof der besonderen Art.
Vorbei am typischen Geruch von frisch geschnittenem Holz, vorbei an Kreißsägen und Hobelgeräuschen geht es in den Innenhof - ein romantisches, großzügig
angelegtes Quadrat, mit Bäumen, deren Schatten im Sommer bestimmt zum Verweilen einladen. An diesem Oktobertag aber ist der Hof verwaist. In der Küche des Haupthauses hingegen, in die man durch freundliche, in hellem Grün gestrichene Vorräume gelangt, wird schon fleißig gearbeitet. Hans schneidet die
Bananen fürs Dessert, vermischt Joghurt mit Müsli und frisch geknackten Walnüssen. Sieglinde ist heute die Küchenchefin, sie röstet in riesigen Töpfen Zwiebeln und Faschiertes für die Hauptspeise - gefüllte Krautrouladen. "Wir kochen hier jeden Wochentag für 30 bis 35 Leute", erklärt Sieglinde. Dazu zählen die 18 KundInnen des Pamingerhofs und weitere acht Menschen mit
psychischen Beeinträchtigungen, die zwar nicht hier wohnen, aber am Hof arbeiten. Und natürlich die MitarbeiterInnen dieser Einrichtung, die zu invita, dem Bereich für psychosoziale Begleitung der Caritas für Betreuung und Pflege gehört. "Wir arbeiten nach den Regeln der biologischen Landwirtschaft", erklärt Christa Grömer, Leiterin des Pamingerhofs. Die Grundsätze der Nachhaltigkeit gelten auf diesem nahe St. Aegidi im Bezirk Schärding gelegenen Hof aber nicht nur für den Acker- und Gemüseanbau und die Viehzucht.
Öko - aber keine Exoten.
In allen Lebensbereichen des Pamingerhofes wird auf nachhaltiges
Handeln geachtet. Die Lebensmittel, die nicht am Hof selbst produziert werden, werden nach Möglichkeit in der Region "bio" eingekauft, auf einen gesunden,
vollwertigen und vitaminreichen Speiseplan wird Wert gelegt. Bioabfälle werden als Tierfutter oder für den Kompost verwendet,der restliche Müll wird streng getrennt. Glühbirnen werden nach und nach durch Energiesparlampen ersetzt und die alte Ölheizung musste kürzlich einer Hackschnitzelheizung weichen. "Die Hackschnitzel beziehen wir von nahe gelegenen Bauernhöfen", so Martin
Wintereder, einer der ersten Mitarbeiter des Pamingerhofs. Er leitete viele Jahre lang den Pamingerhof und arbeitete mit viel persönlichem Engagement und großer Hartnäckigkeit an der Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes. Der Kontakt mit der Umgebung, den Menschen im Ort und den Nachbarn - auch wenn diese ein ganzes Stück entfernt sind - ist wichtig: "Wir wollen keine Exoten sein", so Christa Grömer. "Unsere KundInnen nehmen am Dorfleben teil und wir laden regelmäßig die Bevölkerung
auf unseren Hof ein."
Viertel nach Zehn.

- Christa Grömer, Leiterin Pamingerhof (re.) mit einer Bewohnerin in der Bügelstube
Kaffeepause am Pamingerhof. Üppig mit frischen Weintrauben, Äpfeln und Bananen belegte Teller stehen bereit. Alle kommen zusammen - die Leute aus der Tischlerei, vom Garten, aus der Küche und aus der "Wolle". So nennt man hier die Produktion von gefilztem Kunsthandwerk - die Wolle dafür stammt überwiegend von den eigenen Schafen. Aber auch Schmuck wird in dieser Werkstätte hergestellt und dann verkauft. Nun gesellt sich auch die 67-jährige
Inge, eine der ältesten KundInnen des Pamingerhofes, zur gesunden Jause. Sie
arbeitet meist bei der Wäsche - bügeln und legen sind ihre Aufgaben. "Dabei rennt immer der Friseur-Schmäh", kichert sie und fügt stolz hinzu: "Ich war schon mit 21 Friseurmeisterin!"
Welche Aufgaben die KundInnen in der Tagesstruktur (die nun nach dem Chancengleichheitsgesetz "Fähigkeitsorientierte Aktivität" heißt) übernehmen, wird gemeinsam besprochen und geplant. "Die Möglichkeiten, Wünsche und Vorlieben der KlientInnen, aber auch die der MitarbeiterInnen werden berücksichtigt", erklärtChrista Grömer. Dabei heißt es geschmeidig bleiben, sich den Gegebenheiten anpassen. "Wir pflanzen zum Beispiel keine Karotten mehr an, da das Jäten eine schwierige und unbeliebte Arbeit ist. Kartoffelnund Zwiebeln - das geht besser." Die überwiegende Selbstversorgung des Pamingerhofes macht das Konzept der Nachhaltigkeit überhaupt erst möglich. Müsste man Produkte und Dienstleistungen in vergleichbarer Qualität zukaufen, wäre es nicht finanzierbar. Die MitarbeiterInnen versuchen, die gemeinsame Vision in allen Lebensbereichen umzusetzen. "Natürlich lassen sich unsere idealistischenVorstellungen nicht zu hundert Prozent auf den Alltag übertragen", gesteht Martin Wintereder. "Aber wir leisten Bewusstseinsbildung - ob es nun um die richtige Lüftpraxis oder die Mülltrennung geht. Und wir hoffen, dass ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen mit der Zeit selbstverständlich wird."
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