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"Dann hör’ halt auf und gib ihn ins Heim" - 19.11.09

"Ich bin praktisch komplett alleine und auf mich selbst gestellt. Hier hört man wieder, dass man nicht alleine ist. Das stärkt mich und baut mich wieder auf", so eine Teilnehmerin einer Caritas-Gesprächsgruppe für pflegende Angehörige. In Oberösterreich gibt es 33 dieser Gesprächsgruppen der Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige - sie werden von ausgebildeten Ehrenamtlichen geleitet und bieten pflegenden Angehörigen eine Möglichkeit des Erfahrungsaustausches.
Die Relevanz dieser Gesprächsgruppen wurde nun im Rahmen eines einjährigen Studienprojektes in Zusammenarbeit mit der FH OÖ Fakultät für Gesundheit und Soziales erhoben.
Ergebnisse der Studie
Mit der Befragung der FH OÖ konnten insgesamt 114 GesprächsgruppenteilnehmerInnen erreicht werden. Folgende Merkmale konnten dabei festgestellt werden:
1. Die Pflege ist weiblich: Unter den TeilnehmerInnen der Gesprächsgruppen stellen die Frauen die überwiegende Mehrheit mit 96%.
2. Schlechte Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Zum Zeitpunkt der Befragung befanden sich 60% der TeilnehmerInnen noch im erwerbsfähigen Alter. Die restlichen 40% sind zwischen 60 und 74 Jahre alt. Nur wenige pflegende Angehörige aus der Gruppe der bis zu 59-jährigen (12%) gehen noch einer Vollzeitbeschäftigung nach.
3. Die gepflegten Personen weisen zum Teil sehr hohe Pflegestufen auf: Die Pflegestufe 5, die bei der Befragung immerhin von jedem/jeder Vierten angegeben wurde, steht nach dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) für einen "Pflegebedarf von 180 Stunden pro Monat mit außergewöhnlichem Pflegeaufwand." 13% der Befragten betreuen Menschen mit Pflegestufe 6 bei der "Betreuungsmaßnahmen regelmäßig während des Tages und der Nacht erforderlich sind."
4. Lange Pflegekarrieren: Zum Zeitpunkt der Befragung pflegte jeder/jede vierte GesprächsgruppenteilnehmerIn bereits seit mehr als zehn Jahren
"Viele Angehörige sammeln durch jahrelange Betreuung wertvolle Erfahrungen in der Bewältigung von schwierigen Situationen. In unseren Gesprächsgruppen können diese Erfahrungen ausgetauscht werden", so Marlene Mayr, Leiterin der Servicestelle für pflegende Angehörige. "Die Servicestelle leistet mit verschiedenen Angeboten Unterstützung, bietet Erholungsmöglichkeiten und sorgt für Entlastungssituationen, damit sich pflegende Angehörige wieder gestärkt ihrer Betreuungsaufgabe widmen können."
Pflegende Angehörige - eine große Stütze unserer Gesellschaft
"Rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden von Angehörigen betreut und gepflegt", so Mathias Mühlberger, Direktor der Caritas in Oberösterreich. "Und wir müssen alles daran setzen, dass pflegebedürftige Menschen auch zukünftig zuhause von Angehörigen betreut und gepflegt werden können." Denn sonst erhöhe sich der Bedarf an Pflegekräften noch viel mehr und das System werde eines Tages kollabieren. Deshalb brauche es dringend weitere Maßnahmen, um Angehörige bei der Pflege zu unterstützen und zu entlasten - u.a. einen weiteren Ausbau der Mobilen Dienste, von Kurzzeitpflegeplätzen und Tageseinrichtungen sowie die Forcierung von neuen alternativen Wohn- und Betreuungsformen."
Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige - das Angebot
Neben den Gesprächsgruppen können pflegende Angehörige auch psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen. Außerdem finden zweimal jährlich Erholungstage statt, bei denen die Pflegenden Urlaub vom Alltag machen können, bei einem Termin gibt es das besondere Angebot, dass Pflegende und ihre betreuten Angehörigen gemeinsam urlauben können.
Eine besondere Form des Austausches bietet "n@tzwerk pflege" eine Kombination zwischen Online-Beratung und Forum: Diese interaktive Plattform eröffnet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten sowie anonym konkrete Anliegen an die ExpertInnen der Caritas zu richten: www.netzwerkpflege.at
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