News
Lasst uns gendern! - 07.05.12
Bei der Fachtagung diskutierten die TeilnehmerInnen und ExpertInnen über eine geschlechtssensible Pädagogik in Kindertageseinrichtungen.
Von früher Kindheit an sehen Mädchen und Buben, wie sich "bei den Großen" Frauen und Männer typischerweise verhalten. Welche Chancen eine geschlechterbewusste Pädagogik für Kinder bietet und wie die aktuelle Forschung zum Thema aussieht, wurde auf der Fachtagung "Lasst uns gendern!" der Caritas für Kinder und Jugendliche im Bildungshaus Schloss Puchberg mit rund 120 KindergartenpädagogInnen von 2. - 4. Mai diskutiert.
Die Kultur und Gesellschaft beeinflussen in hohem Maße unsere Sichtweise davon, was es bedeutet, Mädchen oder Bub, Mann oder Frau zu sein. In der kindlichen Entwicklung prägen dabei die Erfahrungen in Familie, Kindergarten und Schule ganz besonders. Hier erlernen Kinder, wie sie sich als Mädchen bzw. Bub verhalten sollen und welche Erwartungen es rein aufgrund des eigenen Geschlechts an sie gibt.
Die Fachtagung der Caritas für Kinder und Jugendliche wollte daher an diesem Punkt ansetzen und zeigen, wie wertvoll eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Kindheit sein kann. Dr. Tim Rohrmann brachte aus seiner Sicht als Psychologe neue Perspektiven für den Kindergarten als Bildungseinrichtung ein. "Dass Bildung viel mit dem Geschlecht zu tun hat, ist offensichtlich geworden, seit auf die schlechtere Schulleistung von Buben hingewiesen wird", erklärte er. PädagogInnen bräuchten sich jedoch nicht fürchten, für eine geschlechtsbewusste Pädagogik zusätzliche Programme neben ihrer Alltagsarbeit ausführen zu müssen. "Geschlechterbewusste Erziehung und Bildung lässt sich nicht als Programm verwirklichen. Wichtiger als spezifische Angebote sind daher geschlechterbewusste Beobachtungs- und Reflexionsmöglichkeiten", betonte Rohrmann
Ein wichtiger Faktor sei dabei die geringe Zahl an männlichen Pädagogen in Kindertagesstätten. "In gemischten Teams können Kinder auch erleben, wie Männer und Frauen zusammen arbeiten und den Alltag gemeinsam gestalten", so der Psychologe.
Deutlich wurde, dass PädagogInnen im konkreten Alltag systematisch beobachten müssen, um ein Gefühl für die geschlechtssensible Pädagogik zu gewinnen. Wenn bei gewissen Aktivitäten Buben bzw. Mädchen überwiegen, sollte die Frage gestellt werden, wie die Spielräume für beide Geschlechter erweitert werden können.
Dr.in Mag.a Waltraud Ernst schloss sich dem an. "Für die Umsetzung im Kindergarten bieten sich viele Möglichkeiten. Spiele, die zum Beispiel sehr deutlich mit einem bestimmten Geschlecht in Verbindung gebracht werden, können an einem ‚Gendertag’ ganz bewusst dem anderen Geschlecht zugeteilt werden", schlug die Philosophin vor, die am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der Johannes Kepler Universität arbeitet. "So können Begabungen entdeckt und gefördert werden, die in einer normkonformen Spiel- und Rollenverteilung unentdeckt oder vielleicht sogar unterdrückt wurden."
Waltraud Ernst zeigte, wie Eltern ihre Kinder je nach Geschlecht unterschiedlich beschreiben und auch unterschiedlich häufig mit ihnen sprechen. "Wie wir aus aktueller biologischer Forschung sehen können, lernen Kinder sehr schnell, den Erwartungen der Erwachsenen zu entsprechen", schloss die Wissenschaftlerin ab. "Aus dieser Sicht ist es Herausforderung und Verantwortung professioneller Pädagoginnen und Pädagogen, einer möglichst vielfältigen Entfaltungsmöglichkeit von Kindern ganz unabhängig vom Geschlecht Raum zu geben."
Aktuelle Themen
- 23.05.13: LaufWunder 2013 - Über 3.000 SchülerInnen helfen LAUFEND
- 21.05.13: Caritas-Schulzentrum josee: "Frühjahrsputz" am Traunseeufer
- 21.05.13: Wir trauern...
- 16.05.13: KirchenZeitungs-Solidaritätspreis für "musica invita"
- 13.05.13: Ein schönes Spiel für den guten Zweck
- 13.05.13: Feierliches Gedenken an Dr. Johann Gruber
- 13.05.13: 71-jährige Schloss Hall-Bewohnerin erobert das World Wide Web
- 08.05.13: Wir trauern um...
