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Soziale Lage unter der Lupe - 25.03.13

"Wir gehen momentan durch ein Tal der Tränen!" So schätzt der LH-Stv. Soziallandesrat Josef Ackerl, derzeit die Lage im Sozialbereich auf europäischer Ebene ein. Die soziale Lage in Oberösterreich und Auswirkungen der Krise in Europa waren die Themen einer hochrangig besetzen Diskussion am 21.3.2013 im Welios, veranstaltet vom "Sozialen Netzwerk Wels".

Volkshilfe-Präsident Dr. Josef Weidenholzer hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg:  "Die Einstellung zum Sozialstaat hat sich geändert, Hilfsbereitschaft und Solidarität schwinden. Der Sparexzess auf EU-Ebene ohne Plan führt zu sozialen Verwerfungen." Die  explodierenden Staatsverschuldungen seien aber einzig den negativen Entwicklungen im Bankensektor geschuldet. Im Bereich der Pflege  und Betreuung von älteren Menschen werden die Herausforderungen in Oberösterreich derzeit noch besser gemeistert als in anderen Bundesländern und besser als in anderen Staaten. Zu befürchten sei aber eine weitere Privatisierung und Ökonomisierung des Bereichs der Pflege.

Univ.Doz. Dr. Werner Schöny, langjähriger Vorstandsvorsitzender von pro mente, sieht in unserer Gesellschaft einen steigenden Angstpegel, "das Vertrauen schwindet, Menschen reagieren umso mehr mit psychischen Erkrankungen." Und gerade auch die hohe Zahl der Jugendlichen ohne Arbeit sei ein großes Gefahrenpotential. Franz Kehrer, Direktor der Caritas OÖ, betonte in seinem Statement zum Thema Armut, dass es notwendig sei, den eigenen Blick zu schärfen, um Armut wahrzunehmen. Sie sei meist nicht sichtbar und werde von den Betroffenen verborgen. Im Verborgenen nehme sie jedoch stetig zu. Allein in Wels kamen im Jahr 2012 1.200 Menschen in die Beratungsstelle der Caritas. "Ich hätte mir nie gedacht, dass ich die Hilfe der Caritas brauche!" - ein Satz, den es leider immer öfter zu hören gebe.

Die Problemlagen von Menschen in Not würden auch zunehmend komplexer, so Kehrer: "Zum geringen Einkommen kommen schlechte Chancen am Arbeitsmarkt, fehlende Möglichkeiten der Kinderbetreuung, kein familiäres "Netz", kein leistbarer Wohnraum, psychische Belastungen und Erkrankungen, körperliche Handicaps - um nur ein paar Beispiele zu nennen." Gerade der Mangel an leistbarem Wohnraum werde zu einem zunehmenden Problem. Die Menschen kämpfen mit den steigenden Preisen für Wohnen und Energie, können sich oft die Anmietungskosten wie Kautionen oder Ablösen nicht leisten.

LH-Stv. Ackerl plädierte in der darauffolgenden Diskussion energisch für einen Politikwechsel. Ihm selber fehlten im Sozialressort 200 Millionen Euro, um den wachsenden Herausforderungen entsprechend begegnen zu können. Er plädierte dafür, dass unser Sozialsystem durch zusätzliche Steuern gestärkt werden müsse. "Politik muss wieder das Soziale in den Mittelpunkt stellen". Einig waren sich alle Diskutanten, dass mehr Druck auf die Politik ausgeübt werden müsse.  Franz Kehrer forderte außerdem ein verstärktes Zusammenwirken der Akteure im Sozialbereich. "Und es reicht nicht, nur Forderungen nach ganz oben zur richten, es müssen auch vor Ort Erfolge und Wirkungen der sozialen Arbeit weiter erzählt werden. Die Menschen müssen für das Thema gewonnen werden."

 "Wir bauchen noch viel mehr solcher Diskussionen!", schloss Josef Weidenholzer  einen Abend, der nachdenklich machte, aber auch vermittelte, dass Hoffnung besteht, wenn auf allen Ebenen eingefordert wird,  wieder eine Politik zu betreiben, bei der "der Mensch  im Mittelpunkt steht".

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