Wenn die Mama Deutsch lernt

Während draußen Nebel die Häuser einhüllt, treffen sich drinnen elf Mütter und ihre Kinder. Sie reimen, spielen Hoppe-Hoppe-Reiter und singen Lieder. Danach gehen die Mütter in einen Nebenraum. Deutsch-Lernen ist nun angesagt. Die Kinder bleiben bei zwei Betreuerinnen, eine davon ist selbst Migrantin. Die Frauen, die zum „Mutter-Kind-Konversationskurs“ ins Integrationszentrum Paraplü kommen, haben ganz unterschiedliche Hintergründe: Manche kommen aus dem EU-Ausland, einige sind schon Jahre hier, andere haben Österreich erst kürzlich als Flüchtling erreicht. Die eine oder andere Frau aus Ungarn oder Tschechien hat Deutsch schon in der Schule gelernt und spricht es rudimentär, andere fangen bei Null an.

Eines haben sie gemeinsam: Sie alle sind Mütter, die Deutsch nun richtig lernen und Kontakte knüpfen wollen. Für Frauen, die erst kürzlich nach Steyr gekommen sind, bieten die Kurse Orientierung, um Anschluss zu finden. In der neuen Umgebung kennen sie niemanden. So hilft ihnen dieser Fixpunkt jeden
Donnerstag, zumindest einmal pro Woche unter Leute zu kommen. Bei manchen hat dieser Schritt Jahre
gedauert. Ihre Männer fanden in Österreich eine Arbeit, sie selbst kamen mit, verbrachten ihre Zeit jedoch stets zuhause. Bis der Wunsch nach Selbständigkeit wuchs: hinausgehen und auf Behörden und bei Ärzten selbst für sich sprechen zu können. Alltagspraktische Dinge, die im Kurs geübt werden.

VERTRAUEN ERMÖGLICHT PRIVATE THEMEN

Mag.a Regina Grantl leitet die Kurse. Sie sieht den Gewinn nicht nur darin, dass die Frauen ihr Deutsch
verbessern. „Ich freue mich, wenn ich mitbekomme, dass sich die Frauen untereinander Treffen ausmachen. Sie gehen miteinander spazieren oder geben Babykleidung weiter, die für ihre Kinder zu klein
geworden sind“, sagt sie. Da sie „unter sich“ sind, kommen auch privatere Themen im Kurs zur Sprache.
Themen, die eine Österreicherin mit der besten Freundin besprechen würde - z.B. rund um die Schwangerschaft - für die den Frauen jedoch oft das soziale Umfeld fehlt. Und weil die Frauen aus völlig
unterschiedlichen Ländern kommen, finden diese Gespräche automatisch auf Deutsch statt. Mütter mit Kindern bis 4 Jahren können zu den Treffen kommen. Ein Grund, warum die Vormittagstermine so gut funktionieren – denn die älteren Geschwisterkinder sind in dieser Zeit in der Schule. Durch die gemeinsame Spielphase wird auch die Bindung zu den jüngeren Kindern gestärkt. „Bei einigen ist es nicht so stark in ihrer Kultur verankert, sich in dieser Weise mit Kleinkindern zu befassen“, erläutert Grantl. „Für uns ist gemeinsames Reimen, Singen und Kniereiten selbstverständlich. In der Spielegruppe zeigen wir ihnen diese Bindungsmöglichkeiten, in der Hoffnung, dass sie sich zuhause dann auch so mit den Kindern befassen. Das stärkt die Kinder in ihrer Entwicklung.“