Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Keine Scheu vor einem „Frauen-Beruf“

27.10.16

Foto: Christoph Iraschek mit einer Bewohnerin des Caritas-Seniorenwohnhauses Schloss Hall

 

Am 10. November findet österreichweit der Boys‘ Day statt. Er soll Burschen „Mut machen“, für Männer untypische Berufe im Sozialbereich zu ergreifen – wie es Christoph Iraschek oder René Beutl getan haben: In der Caritas sind sie eine der wenigen männlichen Fachsozialbetreuer in der Altenarbeit.
Im Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall haben Burschen am 10. November Gelegenheit, bei einem Schnuppertag den Sozialbereich kennen zu lernen. Anmeldung unter www.boysday.at

„Es ist einfach irrsinnig schön mit Menschen zu arbeiten und zu wissen, ich tue jemandem etwas Gutes mit meiner Arbeit. Es macht Sinn, jemandem, der Unterstützung braucht, zu helfen“, erzählt Christoph Iraschek. Er betreut seit zweieinhalb Jahren die Senioren im Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall. Der gelernte Metallbearbeitungstechniker entdeckte sein Talent im Umgang mit Menschen beim Zivildienst. „Bei der Rettung habe ich den Sozialbereich kennen gelernt und es hat mir von Anfang an Spaß gemacht.“ Also sattelte er um und absolvierte über die ALIS-Stiftung die zweijährige Ausbildung zum Fachsozialbetreuer in der Altenarbeit.

„Es gibt ganz, ganz viele schöne Momente in diesem Beruf. Das Schönste ist, wenn man die Dankbarkeit der Menschen merkt. Da fühle ich mich in meiner Arbeit bestätigt. Das muss nicht immer ein Wort sein. Dankbarkeit drückt sich in so vielem aus, wie in einem kleinen Lächeln oder einem besonderen Blick“, sagt Christoph Iraschek. Die Zeit, die er mit den Bewohnern und Bewohnerinnen verbringt, ist für ihn besonders wertvoll. Er spricht gerne mit ihnen über ihr Leben und er erkennt ihre Bedürfnisse. „Das gelingt aber nur, wenn man die Menschen kennenlernt und zu ihnen eine Beziehung aufbaut. Dann weiß man, was jemand in diesem Moment braucht, auch wenn er es nicht artikulieren kann“, erzählt Iraschek. Er findet es schade, dass viele Männer eine Scheu davor haben in einem Kindergarten oder einem Pflegeheim zu arbeiten. Vermutlich deshalb, weil ein Sozialberuf keine männliche Identität verleiht. Dabei ist es im Sozialbereich wie in jeder anderen Branche auch, sagt Iraschek: „Männer und Frauen gehen unterschiedlich an Dinge heran. Das ist auch bei uns eine Bereicherung.“ Der Fachsozialbetreuer hat beispielsweise mit männlichen Bewohnern eine andere Gesprächsbasis als seine Kolleginnen.

Auch für seine persönliche familiäre Situation – er hat eine 14-monatige Tochter – sieht der Familienvater den Pflegeberuf in einem Seniorenwohnhaus mit den Schichtdiensten von Vorteil. „Beruf und Familie ist für mich ganz toll zu vereinbaren. Ich genieße es auch einmal während der Woche frei zu haben. Außerdem können wir im Team unseren Dienstplan individuell anpassen, was vieles einfacher macht.“

Einsatz im Mobilen Pflegedienst

Ebenso hat René Beutl seinen Traumberuf gefunden, auch wenn – oder gerade weil er in seiner Arbeit von Menschen umgeben ist, die fast viermal so alt sind wie er selbst. Im Mobilen Pflegedienst der Caritas arbeitet der knapp 23-Jährige seit etwas über einem Jahr. Täglich fährt er zu vier bis sechs älteren Menschen, um sie in ihrem Alltag zu unterstützen. So besucht er auch regelmäßig den 91-jährigen Josef Lengauer und hilft ihm bei der Körperhygiene: „Ich bin sehr froh, dass da jemand kommt. Und ich bin immer sehr zufrieden.“ Diese Freude, die René Beutl bei seinen Besuchen bei den Menschen entgegengebracht wird, ist es auch, warum er jeden Tag gerne in die Arbeit geht.

Im Praktikum seiner 2-jährigen Ausbildung zum Fachsozialbetreuer in der Altenarbeit lernte er den mobilen Bereich schätzen und lieben. „Man kann hier sehr selbständig arbeiten, und man ist trotzdem nie allein. Bei Fragen kann ich jederzeit die Teamleitung oder Kollegen anrufen. Deshalb ist der mobile Bereich auch für Berufseinsteiger geeignet, was ich mir vor dem Praktikum nicht wirklich vorstellen konnte, “ so Beutl.

Auch wenn der Beruf weiblich dominiert wird, so gibt es für Beutl keine Alternative. „Der Beruf gibt mir zum einen sehr viel Lebensfreude. Ich sehe in alten Menschen nicht ihre womöglich vorhandene Gebrechlichkeit, sondern ich sehe ihre Lebensfreude und –erfahrung. Da nimmt man auch für sich persönlich viel auf. Zum anderen ist es ein Beruf, der Sinn macht, er ist lebensbejahend. Er gibt das Gefühl, dass sich durch Dein Tun etwas verändert.“

Foto: René Beutl mit seinem Kunden Josef Lengauer