Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Caritas entwickelt internationales Bildungsprogramm für Roma

26.01.17

"Das Bildungsprogramm muss an das Leben der Roma angepasst sein, das von einem ständigen Wohnsitzwechsel geprägt ist. Das heißt, es müssen länderübergreifende, flexible Lern-Module entwickelt werden", sagt Projektleiterin Michaela Haunold von der Caritas OÖ.

 

Aufgrund fehlender Bildung gibt es Roma, die ihren Lebensunterhalt mit Betteln bestreiten müssen. Ohne Lese-, Schreib- oder Rechenkenntnisse ist es ihnen unmöglich, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Caritas OÖ will diesen Roma künftig eine Basisbildung bieten. Wie diese aussehen soll wird derzeit in Zusammenarbeit mit Caritas-Organisationen aus fünf weiteren EU-Ländern im Projekt BERA (basic education of Roma adults) entwickelt. Dieses wird vom EU-Förderprogramm Erasmus+ finanziert.

„Viele Roma haben nie eine Schule von innen gesehen, können weder Lesen, Schreiben noch Rechnen. Damit haben sie so gut wie keine Chance am Arbeitsmarkt. Betteln ist manchmal die einzige Möglichkeit, Geld zum Leben zu verdienen“, erklärt Mag.a (FH) Michaela Haunold, Leiterin des Bereichs Armutsmigration in der Caritas OÖ. Die Projektleiterin entwickelt deshalb gemeinsam mit VertreterInnen von Caritas-Organisationen aus Bosnien-Herzegowina, Italien, Portugal, Rumänien und Serbien ein Basisbildungskonzept für erwachsene Roma.

Vorbilder aus den eigenen Reihen motivieren

„Dieses muss vor allem an ihr Leben angepasst sein, das von einem ständigen Wohnsitzwechsel geprägt ist. Das heißt, es müssen länderübergreifende, flexible Lern-Module entwickelt werden“, sagt Michaela Haunold. Viele Roma wissen zudem gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, Bildung zu erlangen und welche Türen sich damit für sie öffnen. Vorbilder aus den eigenen Reihen bzw. Roma-MediatorInnen sollen dabei helfen, dass die betroffenen Menschen Chancen erkennen und eine Perspektive durch Bildung entwickeln.

Alltagsnahe Lerninhalte

In den persönlichen Gesprächen mit 180 Roma in den sechs Ländern ging außerdem hervor, dass vor allem ein Interesse an alltagsnahen Lerninhalten besteht. Dazu gehören Formulare ausfüllen, die Arbeitssuche oder das Lernen für den Führerschein. „Eine wichtige Erkenntnis aus den Gesprächen war auch, dass die jahrelange Diskriminierung und negative Schulerfahrungen sich auf die nachfolgenden Generationen negativ ausgewirkt haben“, berichtet Michaela Haunold.

Die Projektergebnisse werden in Form von drei Handbüchern zusammengefasst, die ab August 2018 zum Download auf der Projektwebsite www.project-bera.eu verfügbar sein werden.