Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

HEFO 2017: Impulse zum „Kind SEIN heute“

02.03.17

Foto v. li. : Referent Mag. Martin Kranzl-Greinecker, Caritas-Direktor-Stellvertreter Mag. Gerhard Reischl, MMag. Klaus Doppler, Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, LAbg. Wolfgang Stanek, Referentin Irmgard Kober-Murg, Caritas-Rektor Mag. Maximilian Mittendorfer, Referentin Marianne Bauer und Mag.a Veronika Domberger, Leiterin der Fachberatung für kirchliche Kindertageseinrichtungen

 

Rund 1.000 HelferInnen aus 345 kirchlichen Kindertageseinrichtungen in Oberösterreich kamen am 21. und 22. Februar ins Linzer Oberbankforum, um sich bei der pädagogischen Fachtagung HEFO Impulse für ihre Arbeit zu holen. Als Referenten waren Mag. Martin Kranzl-Greinecker, Redakteur des Fachjournals „UNSERE KINDER“, Kindergarten-Pädagogin Irmgard Kober-Murg und Marianne Bauer, Direktorin des Kindergartensprengels Vinschgau zu Gast. Die Fortbildung von der Caritas für Kinder und Jugendliche stellte Betrachtungen, was Kind-Sein in der heutigen Zeit bedeutet, in den Mittelpunkt.

Ein Blick in den pädagogischen Rückspiegel

Einblicke in Geschichte und Gegenwart der frühkindlichen Bildung und Betreuung gab Mag. Martin Kranzl-Greinecker. „Alle, die mit Kindern zu tun haben, sollten immer wieder selbstkritisch in den Spiegel blicken. Oft stehen hinter Erziehungsmustern gestrige Ideen, die nicht zum humanistischen Menschenbild, zu einer demokratischen Gesellschaft oder zu den ethischen Prinzipien des ‚BildungsRahmenPlans für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich‘ passen“, sagt Kranzl-Greinecker. Als ein Beispiel dafür führt er die richtige Ernährung und Bewegung von Kindern an, die in den letzten Jahren angesichts der vielen dicken Kindern enorm an Bedeutung gewonnen hat. „Das ist natürlich zu begrüßen – aber wie bei jedem Bildungsbereich geht es um das richtige Maß und Ziel“, so Kranzl-Greinecker. Wenn Aussagen über den „gesunden Volkskörper“ auftauchen oder höhere Steuern für Übergewichtige gefordert werden, sollten sich pädagogische Fachkräfte fragen, von wem und wofür ein Thema besetzt wird. Kranzl-Greinecker betont, wie wichtig in der Pädagogik die Wertschätzung der Unterschiede, Vorurteilsbewusstsein, Chancengleichheit, ein Ja zu Demokratie und Mitbeteiligung sind. Das bewahre die Gesellschaft vor unkritischen Ja-SagerInnen. Gute PädagogInnen zeichne Diskussionsbereitschaft und Experimentierfreudigkeit aus, die Zivilcourage zu leben, Respekt vor der Vielfalt zu haben und Kinder individuell zu fördern. „Die PädagogInnen tragen dazu bei, dass wir und unsere Kinder aus dem Gestern lernen und heute ein lebenswertes Morgen für alle Menschen vorbereiten“, fasst Kranzl-Greinecker zusammen.

Achtsamkeit als Kraftquelle

Eine Anleitung, wie man aus herausfordernden beruflichen Alltag in der Kindertageseinrichtung persönlich gestärkt herausgehen kann, gab es von Marianne Bauer. Die Direktorin des Kindergartensprengels Vinschgau zeigte auf, wie durch den komplexen Alltag die faszinierende Welt des eigenen Selbst entdeckt werden kann und die eigenen persönlichen Kompetenzen gestärkt werden können. „Ist ein Mensch gut mit seinen eigenen Gefühlen in Kontakt, weiß er seine Gedanken zu beobachten und zu steuern. Ist der Mensch mit seiner Lebensgeschichte halbwegs im Reinen und im Selbstwert gefestigt, verfügt er über Vertrauen und Wertschätzung sich selbst, anderen und dem Leben gegenüber“, erklärt Marianne Bauer. Authentizität, Resilienz, Gelassenheit und Konfliktfähigkeit entwickelt man, wenn man die eigenen wunden Punkte kennt, diese zeigen, aber auch schützen kann. Dies gelingt mit Achtsamkeit. Sie öffnet die Tür zu bewusstem Denken, Fühlen und Handeln. „Achtsamkeit zeigt uns, dass Erfüllung und Glück nicht in der Perfektion liegt, sondern im Annehmen und Vergeben unserer täglichen Unvollkommenheit“, so Marianne Bauer.

Mit Kindern Neues entdecken

Ihr Buch "Mit Kindern Neues entdecken. Der BildungsRahmenPlan im Praxisalltag"  präsentierte Kindergartenpädagogin Irmgard Kober-Mur in ihrem Referat. „Kinder sind Entdecker und Forscher und benötigen eine gut durchdachte Umgebung und ausreichend Zeit, um sich den selbstgesteuerten Lernprozessen hinzugeben“, erklärt die Pädagogin. Anknüpfend an die Interessen der Kinder eröffnen sich dadurch im Praxisalltag unterschiedliche Möglichkeiten für HelferInnen, die Kinder dabei entsprechend zu begleiten. Irmgard Kober-Mur zeigte, wie Kürbisse, Pfützen oder auch ein Wettertagebuch Spiel- bzw. Lernimpulse geben können. Dabei steht das Kind mit seiner individuellen Entwicklung und seinen Interessen im Mittelpunkt. Die Begegnung mit dem Kind findet auf Augenhöhe statt. „HelferInnen sind Vorbild in Sprache, Werten und Verhaltensweisen, sie loben, ermutigen und stellen Fragen“, so Kober-Murg. Die Beziehung zu den Kindern lebt von einer wertschätzenden Haltung und einem dialogischen Umgang. Grundlegend für alle diese Bildungs- und Lernprozesse ist, dass die Kinder von einer Atmosphäre des Vertrauens und Sich-Wohlfühlens umgeben sind und sie Bezugspersonen haben, zu denen sie eine vertrauensvolle Bindung pflegen.


Videobeiträge zur HEFO 2017:

Schwerpunkt bei der HEFO 2017

das eigene Sein

Video: BildungsTV

Vortrag Marianne Bauer

Achtsamkeit als Kraftquelle

Video: BildungsTV

Vortrag Mag. Martin Kranzl-Greinecker

Die Geschichte des Kindergartens

Video: BildungsTV