Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Ein Danke für die Pflege

12.05.17

Foto: Caritas/Wakolbinger

Ein Gastkommentar von Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich, zum Tag der Pflege am 12. Mai 2017 in den Oberösterreichischen Nachrichten.

Sie stehen nicht im Rampenlicht. Dabei sind sie eine der Stützen unserer Gesellschaft. Das merkt man meistens erst dann, wenn man sie selbst braucht. Wenn alltägliche Verrichtungen zur Belastung werden, die Beine schmerzen und man nicht mehr allein für sich sorgen kann. Dann sehen wir plötzlich, was wir an ihnen haben: an den Frauen und Männern, die in der Pflege und Betreuung arbeiten. Sie helfen uns nicht nur den Alltag zu meistern. Sie leisten einen wertvollen Beitrag, das Leben für Menschen im Alter lebenswert zu machen. Und das, obwohl dieser Beruf viele Herausforderungen mit sich bringt und neben fachlichen Kompetenzen eine große Portion Geduld und Belastungsfähigkeit erfordert.

Ein 14-Jähriger hat den Beruf seiner Mutter, die in unseren Mobilen Pflegediensten arbeitet, kürzlich in einer Schularbeit u. a. so beschrieben: "Die Pflege bedeutet nicht nur ,waschen’. Pflege bedeutet, Höhen und Tiefen mitzuerleben, für jemanden da zu sein, der nur sich und seinen Rollstuhl hat. Pflege bedeutet, die Vergangenheit zu akzeptieren und den Menschen so wie er ist, anzunehmen. Es bedeutet zu trauern, zu lieben, zu lachen, zu weinen, Hoffnung zu haben und sich beschimpfen zu lassen."

Sie leisten einen unschätzbar wertvollen Dienst für unsere Gesellschaft. Und trotzdem finden sie kaum die Anerkennung, die ihnen zustehen würde. Vielleicht weil wir alle nur zu gerne ausblenden, dass wir einmal alt und gebrechlich werden. Und dann Hilfe brauchen.

Ähnliches erleben auch die pflegenden Angehörigen, die heute noch eine zentrale Säule unseres Pflegesystems bilden. In Zukunft wird das nicht mehr so selbstverständlich sein, denn viele Menschen haben keine Kinder mehr, die sie einmal pflegen könnten. Und viele können es sich nicht mehr leisten, für die Pflege den Beruf aufzugeben. Daher ist es dringend an der Zeit, die Zukunft der Pflege neu zu denken – und Angebote wie Tageszentren in Wohnortnähe auszubauen.

Heute zum Tag der Pflege ein herzliches Danke – allen, die beruflich oder in der eigenen Familie Pflege leisten. Danke für eure wertvolle Arbeit für den einzelnen und die Gesellschaft!