Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

„Das wichtigste ist die Sprache“

20.06.17

Junger Mann rechts im Bild arbeitet in einer Küche

AsylwerberInnen, die jünger als 25 Jahre sind, dürfen in Österreich eine Lehre in einem sogenannten Mangelberuf absolvieren. Der Asylwerber Hamid Hussani lernt seit Herbst 2016 Koch im Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall in Bad Hall. Die Lehre macht dem 20-Jährigen große Freude, obwohl es am Dialekt verstehen häufig (noch) hapert.  

Seine Heimat Afghanistan verließ Hamid mit seinen Eltern, als er 5 Jahre alt war. Sie flohen in den Iran. Nachdem auch dort Gewalt herrscht, begab er sich schließlich allein noch einmal auf die Flucht und kam vor rund eineinhalb Jahren nach Österreich. Hier will er vor allem eines: lernen. „Das Wichtigste ist die Sprache“, sagt Hamid Hussani. „Den Grundkurs habe ich bestanden, jetzt lerne ich für die nächste Prüfung. Seine Betreuerin erklärte ihm, dass er mit einer Lehre eine Berufsausbildung machen könne. Und Hamid Hussani sagte sofort: „Wenn es Arbeit in einer Küche gibt, dann arbeite ich da.“

Rezeptbuch immer dabei

Zur gleichen Zeit war das Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall auf der Suche nach einem Lehrling. „Weil Koch ein Mangelberuf ist, konnte Hamid bei uns anfangen“, erzählt Hausleiterin Angelika Krallinger. Hussani arbeitet seit Ende Oktober 2016 fünf Tage in der Woche im Schichtdienst - auch am Wochenende- Als Kochlehrling hilft er dabei, 230 Essensportionen für die 108 Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, für Essen auf Räder sowie für die MitarbeiterInnen zuzubereiten. „Ich schneide, schäle, brate, wische, wasche ab“, verrät der 20-Jährige. „Schön finde ich, dass wir hier zusammenarbeiten. Jeder macht alles. Besonders gerne aber mache ich Mehlspeisen, weil Mehlspeisen in unserer Heimat sehr wichtig sind.“ Immer mit dabei hat Hamid sein Rezeptbüchlein. Hier schreibt er alle Rezepte auf. 

Fragen ist wichtig

„Am Schwierigsten ist für mich die Sprache, vor allem die Mundart. Ich muss immer nachfragen, weil ich nicht alles verstehe. Aber seit ich hier bin, habe ich schon viel dazugelernt.“ Das bestätigt auch Caritas-Hausleiterin Angelika Krallinger: „Das Wichtigste ist, dass Hamid gelernt hat, zu fragen. Nur so kann er dazulernen.“

Viele Regeln

Hussani gesteht, dass er zuerst gedacht habe, dass Arbeiten in einer Küche einfach sei: „Aber das ist es nicht. Man muss sehr viel denken, es gibt viele Regeln und man muss immer schnell arbeiten. Aber Kochen ist schön.“ Dass es generell viele Regeln in Österreich gibt, an die man sich halten muss, kannte Hamid zuvor nicht: „Im Iran gab es keine Regeln. Da konnte dir z.B. ein Polizist auf der Straße alles wegnehmen, wenn er Dich aufhielt und kontrollierte.“ Als Hussani einmal in einer kleinen Firma arbeitete, gab es keinen Chef. Jeder machte das, was er dachte – ohne Regeln. „Ich finde aber, dass das Leben mit Regeln viel besser ist.“ 

In wenigen Wochen beginnt die Berufsschule in Altmünster. „Ich habe mich bereits erkundigt, wie ich mit Zug und Bus nach Altmünster komme“, erzählt der 20-Jährige. Dort wird er gemeinsam mit allen anderen Kochlehrlingen im Internat leben. Motiviert ist Hussani. Sein Ziel ist es, später ein eigenes kleines Lokal aufzumachen, in dem er Mehlspeisen und Süßes für seine Gäste zubereitet. 

Fakten: Lehre für AsylwerberInnen

AsylwerberInnen, die jünger als 25 Jahre sind, dürfen in Österreich eine Lehre in einem sogenannten Mangelberuf absolvieren. Mangelberufe zeichnet nicht unbedingt ein Lehrlingsmangel aus, sondern ein Mangel an verfügbaren Fachkräften. Dazu zählen derzeit Sparten wie Starkstromtechnik, diplomierte Krankenpflege, Koch oder Dachdecker. Die Flüchtlinge absolvieren Lehre und Berufsschule. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, eine Teillehre und eine verlängerte Lehre zu absolvieren. Für sie gibt es eigene Sprachförderkurse an den Berufsschulen sowie die Möglichkeit, ein Lehrlingscoaching in Anspruch zu nehmen.