Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Mit Fleiß und Ehrgeiz erfüllt sich Mohammad seinen Traum

08.09.17

Mohammad Tabari wohnt seit November 2015 in der Caritas-Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wels. Im Juli 2016 bekommt er die Chance, eine Lehre in einem so genannten Mangelberuf zu beginnen. Der angehende Fotograf trotzt der sprachlichen Hürde mit unendlich viel Fleiß und schließt das erste Lehrjahr mit lauter Einsern und Zweiern ab. Der junge Iraner mit afghanischen Wurzeln ist einer von insgesamt zehn jugendlichen Flüchtlingen, die in einem Betrieb in der Region Wels derzeit eine Lehre machen.

Schule, Essen, Lernen, Schlafen und wieder Schule: So hat es Mohammad Tabari im ersten Berufsschuljahr geschafft, trotz fremder Sprache die Klasse mit „guten Erfolg“ abzuschließen. Unermüdlich ist der 17-jährige über den Büchern gesessen, hat mühsam übersetzt und gelernt. „Vor allem Wirtschaftskunde und politische Bildung war schwierig, weil es so viele Seiten zum Übersetzen waren“, erzählt Tabari. Doch LehrerInnen und MitschülerInnen haben ihn von Anfang an unterstützt und auch beim Lernen geholfen. Nicht nur in seiner Klasse, auch die KollegInnen im Ausbildungsbetrieb, W+K Fotografie in Wels, sind zu seiner Familie geworden: „Ich gehe lieber in die Arbeit, als Zuhause zu sein.“

Dass es so weit kam, ist einer Ehrenamtlichen zu verdanken. Tabari vertraute ihr seinen Traum an, einmal Fotograf zu werden. Kurzerhand stellte sie den Kontakt zu W+K Fotografie her, wo Studioleiterin Sarah Wimmer Tabari eine Chance geben wollte. Der Betrieb reichte beim AMS einen Antrag auf Beschäftigungsbewilligung ein. Weil nach mehrmonatiger  Ersatzkraftprüfung kein vergleichbar qualifizierter Jugendlicher aus Österreich oder der EU für die Lehrstelle gefunden wurde, durfte Tabari seine Ausbildung antreten.

„Wie alle anderen habe ich im ersten Lehrjahr vor allem Lichter eingestellt und Kabel geputzt. Aber das gehört dazu. Jetzt im 2. Lehrjahr darf ich auch schon fotografieren“, erzählt Tabari. Auch in der Freizeit geht er seiner Leidenschaft nach und fotografiert seine Mitbewohner und Freunde – allerdings nur mit dem Handy. Das Geld für eine richtige Kamera hat er noch nicht beisammen. Den Großteil der Lehrlingsentschädigung muss er für den Lebensunterhalt aufwenden. Besonders stolz ist Tabari auf das Besteck-Stillleben und die Porträtserie, die er in der Berufsschule fotografiert und für die er ein „Sehr gut“ bekommen hat.

Vor kurzem hatte der junge Asylwerber eine Woche Urlaub. Diesen nutzte er, Salzburg zu besichtigen und an einem Workshop der WKO für Fotografenlehrlinge teilzunehmen. „Das war beides sehr aufregend und ich habe viel Neues kennen gelernt.“
Wenn Tabari gefragt wird, was ihm am besten in Österreich gefällt, kommen ihm auf Anhieb drei Dinge in den Sinn: Dass es einen Zug gibt, mit dem man überall hinfahren kann, dass es ein Geschäft zum Einkaufen gibt und der Attersee.

So wie Mohammad Tabari konnten bereits zehn Jugendliche aus der Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wels eine Ausbildung in einem Mangelberuf beginnen. „In der Region Wels sind die Betriebe gegenüber jugendlichen Flüchtlingen, die eine Lehre machen möchten, besonders positiv eingestellt. Das ist sicher auch AMS und WKO OÖ zu verdanken, die Betriebe in der Region aktiv über die Ausbildung von Asylwerbern informiert hat“, erklärt Caritas-Mitarbeiterin Julia Bibl, warum die Integration am Arbeitsmarkt hier relativ gut gelingt.
Um die Jugendlichen bei der Lehre bestmöglich zu unterstützen, arbeitet die Caritas in Wels eng mit „Jugend am Werk“ zusammen.
In folgenden Betrieben sind jugendliche Flüchtlinge in Ausbildung: Portas in Sipbachzell, KFZ Müller in Bad Wimsbach, Malerei Oberbauer in Wels, Achleitner Bau in Krenglbach, IPM Schober in Wels, Schutzengelapotheke in Wels, Resch & Frisch Wels und Tiger Coatings GmbH in Wels.