Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Integrationslotsen gesucht!

08.01.18

Ein Mann und eine Frau (Integrationslotsin) sitzen am Tisch und lernen.

Malik Musa, der subsidiär schutzberechtigt ist, hat innerhalb von eineinhalb Jahren den Hauptschulabschluss, die Deutschprüfung B2 und die Ausbildung zum Pflegehelfer abgeschlossen. Zu dieser beachtlichen Leistung hat Mag.a Ilse Angleitner aus Linz maßgeblich beigetragen. Sie engagiert sich freiwillig als Caritas-Integrationslotsin und unterstützt Musa in ihrer Freizeit beim Lernen. Das Linzer Integrationsprojekt wird jetzt ausgeweitet: Die Caritas sucht ab sofort auch IntegrationslotsInnen in Grieskirchen, Eferding, Wels, Schärding, Steyr, Kirchdorf und Ried.

Seit Mai 2016 ist Ilse Angleitner als Caritas-Integrationslotsin in Linz im Einsatz: „Ich wollte gerne einen Flüchtling beim Lernen unterstützen. Als Pädagogin ist das naheliegend für mich.“ Als sie sich bei der Caritas gemeldet hat, hat sie diese Präferenzen angegeben. Das ist auch das Erfolgsgeheimnis des Caritas-Projekts: Es werden die Interessen oder Talente des Ehrenamtlichen mit den Bedürfnissen des Asylberechtigten zusammengebracht. „Bei Frau Angleitner war es das Lernen mit einer Einzelperson, jemand anderer möchte vielleicht eine Familie betreuen, weil er selbst Kinder hat. Jede Begleitung hat unterschiedliche Schwerpunkte, die im Vorfeld gemeinsam vereinbart werden“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Daniela Burtscher, die Integrationslotsen vermittelt. Integrationslotsen begleiten beispielsweise bei Behördengängen oder Elternabende, erklären einen amtlichen Brief, unterstützen bei der Wohnungssuche oder unternehmen etwas gemeinsam in der Freizeit. Unabhängig davon, was in der gemeinsamen Zeit gemacht wird: Die Asylberechtigten profitieren immer auch vom Deutsch sprechen in der Alltagssituation.

Integrationslotsin Ilse Angleitner hat bei einer Berufsausbildung unterstützt: „Ich wollte dabei auch gegen das Vorurteil wirken, dass Flüchtlinge nicht arbeiten wollen und der Gesellschaft nichts zurückgeben.“ Außerdem wollte sie die Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen, was im gegenseitigen Austausch schnell gelang.

Musa Malik spricht bereits grammatikalisch einwandfreies Deutsch und weiß: „Ohne Frau Angleitner hätte ich die Prüfungen nicht geschafft. Immer, wenn ich Schwierigkeiten habe, etwas zu verstehen, oder mich nicht auskenne, rufe ich sie an oder schreibe ihr eine Nachricht. Sie ist für mich da, wenn ich ein Problem habe.“ Genau das ist es, worauf es als Integrationslotse auch ankäme, meint die Linzerin: „Zuhören, Annehmen und Dasein – auch wenn es einmal einen „Durchhänger“ gibt.“

Mit der Ausbildung zum Fachsozialbetreuer Altenarbeit, die im Oktober begonnen hat, erfüllt sich Malik Musa einen Traum. Als er 2014 im Flüchtlingshaus im Franckviertel lebte, arbeitete er ein halbes Jahr ehrenamtlich im benachbarten Seniorenwohnhaus: „Das hat mir sehr gut gefallen und ich habe gewusst – das will ich später einmal machen. Mit dieser Arbeit kann ich außerdem den Menschen hier in Österreich etwas zurückgeben.“ Der Wunsch von damals ist nun in greifbarer Nähe gerückt – dank dem Engagement von Ilse Angleitner. Die erfahrene Pädagogin überlegt sich genau, wie sie den Lernstoff Malik am besten vermitteln kann: „Das erfordert vor allem, dass man sich gut in den anderen hineinversetzen kann. Eine Eigenschaft, die nicht nur beim Lernen, sondern generell als Integrationslotse wichtig ist.“ Der Integrationslotsin ist es ein Anliegen, zum Lernen zu ermutigen: „Was man gelernt hat, kann man mitnehmen. Auch wenn man vielleicht nicht in Österreich bleiben kann.“

Als Integrationslotsin wirke sie gegen das Vorurteil, dass Flüchtlinge nicht arbeiten wollen
Angehende Integrationslotsen bringen ein Interesse an anderen Kulturen mit und haben für mindestens ein halbes Jahr ca. zwei bis vier Stunden pro Woche Zeit. Der Kontakt mit ihnen ist persönlich, auf gleicher Augenhöhe und ermöglicht so ein gegenseitiges Voneinander-Lernen. Die Integrationslotsen sind haftpflicht- und unfallversichert. Die Caritas bietet den Freiwilligen regelmäßige Austauschtreffen und Weiterbildungen an und sie haben eine persönliche Ansprechperson an ihrer Seite.

 

Info & Kontakt für IntegrationslotsInnen
Linz: Daniela Burtscher unter 0676 / 8776 8015
Grieskirchen und Eferding: Verena Spießberger unter 0676 / 8776 8135
Wels und Kirchdorf: Roland Baillon unter 0676 / 8776 8127
Ried: Kamiran Rashid unter 0676 8776 8120
Schärding: Gudrun Koller-Zehetner unter 0676 8776 2324
Steyr: Julia Greger unter 0676 / 8776 8129

oder unter dem Link Freiwillige MitarbeiterInnen gesucht