Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Teilen statt Wegwerfen: „Ungewollte“ Lebensmittel zur freien Entnahme im Caritas-Wohnheim

11.01.18

Vier Personen präsentieren Lebensmitel aus einem offenen Kühlschrank

Foto: Caritas-Wohnheim-Leiter Franz Höglinger mit den foodsavern Nicole Kastler, Martina Kastler und Cornelia Stöbich.

Das PädagogInnen-Team vom Caritas-Wohnheim „Junges Wohnen – Guter Hirte“ in der Baumbachstraße 28 Linz tritt gegen die Lebensmittelverschwendung ein. Sie „retten“ ungewollte Lebensmittel, die im Müll landen würden, und bieten sie in einem Kühlschrank im Haus zur freien Entnahme an. Der so genannte „Fair-Teiler“, in dem die Lebensmittel gelagert werden, ist von Montag bis Freitag, von 8 bis 21.30 Uhr, auch für Passanten frei zugänglich.


Die Idee, im Caritas-Wohnheim einen Fair-Teiler einzurichten, stammt von Cornelia Stöbich, Jürgen Köck und Nicole Kastler. Letztere erzählt: „Über meine Cousine Martina Kastler habe ich die foodsharing-Plattform kennen gelernt. Sie ist in Linz ein Mitglied der ersten Stunde und mit mehr als 112 weiteren Mitgliedern ehrenamtlich als „LebensmittelretterInnen“ (foodsaver) im Einsatz.“ Die foodsaver holen im Raum Linz bei Lebensmittel-Betrieben, Bäckereien, Landwirten und Restaurants überproduzierte oder ungewollte Produkte ab und befüllen mit diesen die „Fair-Teiler“ in Linz, wo jede/r kostenlos zugreifen kann. Über die Plattform werden die Sammel- und Verteildienste der foodsaver koordiniert. Die drei Caritas-MitarbeiterInnen zählen seit kurzem auch dazu. „Nach einem Aufnahme-Quiz, bei dem die Organisation vor allem darauf schaut, dass man die Idee der Lebensmittelrettung verstanden hat und vor allem auch pünktlich und verlässlich ist, holen wir jetzt auch regelmäßig Lebensmittel ab und verteilen sie weiter“, erzählen die drei pädagogischen MitarbeiterInnen. In Linz sind es derzeit 12 Betriebe, die von den foodsavern vor Ort regelmäßig abgeklappert werden. „Unser Ziel im Wohnheim ist es, den Kühlschrank zwei bis drei Mal pro Woche neu zu befüllen. Zu unseren Aufgaben gehört es außerdem, den Kühlschrank in Ordnung zu halten, damit nichts schlecht wird. Bei 180 jungen Menschen in Ausbildung, die im Wohnheim leben, den Eltern von den Hortkindern, die regelmäßig kommen, und natürlich den Passanten sollten eigentlich genügend AbnehmerInnen vorhanden sein“, ist Nicole Kastler optimistisch.

Wohnheim-Leiter Franz Höglinger begrüßt die Initiative: „Die Probewoche vor Weihnachten ist gut gelaufen. Nach den Ferien im Jänner starten wir nun ganz offiziell durch.“ Wegweiser an der Haustür in der Baumbachstraße 28 sind schon montiert und sollen auch vorbeikommende Passanten auf den Fair-Teiler aufmerksam machen. Mittels Mundpropaganda hofft Höglinger, dass es viele weitere Menschen gibt, die hier zugreifen, um die Lebensmittelverschwendung zu stoppen. Die Aktion hat natürlich auch einen pädagogischen Hintergrund: „Wir wollen unseren jungen BewohnerInnen vermitteln, dass mit Ablaufdatum ein Produkt nicht automatisch verdorben ist und im Müll landen muss“, sagt Cornelia Stöbich. Deshalb lädt die Pädagogin die Jugendlichen einmal pro Woche zum gemeinschaftlichen Kochabend ein, wo aus den Zutaten im Fair-Teiler leckere Gerichte, Pestos oder Smoothies werden.

Die Foodsharing-Plattform

Die Foodsharing-Plattform ist eine Initiative gegen die Lebensmittelverschwendung. Die Organisation ist 2012 in Berlin entstanden und mittlerweile zu einer internationalen Bewegung mit über 200.000 registrierten NutzerInnen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern herangewachsen. In Linz gibt es aktuell 112 foodsaver, in OÖ 154 foosaver, in Österreich 1873 foodsaver und in Europa 3.276.

Nähere Infos im Internet unter foodsharing.at
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit.linz(at)lebensmittelretten.de