Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

„Verlasse ich die Heimat, wird Religion auf einmal wichtig“

12.03.18

Moussa Al-Hassan Diaw mit Florian Bauer und Helene Auinger vom ReKI, dem Regionalen Kompetenzzentrum für Integration und Diversität der Caritas.

Das Regionale Kompetenzzentrum für Integration und Diversität (ReKI) der Caritas in Rohrbach hatte vor kurzem den Extremismusforscher Moussa Al-Hassan Diaw zu Gast. Der Diplompädagoge hielt im Café Leibetseder einen Vortrag über die weltanschaulichen Ausrichtungen des Islams und die Mechanismen für Radikalisierung.

„Verlasse ich die Heimat, wird Religion auf einmal wichtig, weil es der Bezug zur Heimat ist“, erklärte Moussa Al-Hassan Diaw. Bei seinem Vortrag ging er darauf ein, warum Menschen mit Migrationshintergrund sich „nicht anpassen wollen“, sondern weiterhin Wert auf „ihre“ religiösen Feste, Speisegewohnheiten aber auch Normen der Begrüßung und gewohnte Umgangsformen legen. „Gemeinsame Feste stiften Identität“, sagt Diaw. Diese Konzentration auf das „Zurück zur Religion der Ahnen“ sei häufig stark in der zweiten oder dritten Generation zu beobachten. „Dabei greifen junge Menschen auf etwas zurück, was sie oberflächlich verbindet. Und das ist der Islam“, sagt Diaw, der im Auftrag des Ministeriums für Justizanstalten und Gerichte im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung tätig ist. Eine große Gefahr gehe seiner Meinung nach vom Internet aus. Junge Leute würden sich über Religion im Internet informieren, was besonders bei jugendlichen Straffälligen ein Problem ist. „Prävention an den Schulen zu betreiben und einen kritischen Umgang mit den Medien zu lehren ist an dieser Stelle wichtig“, ist der Vortragende überzeugt.

Der Diplompädagoge gab auch einen Einblick in die sechs Glaubensartikel und die fünf Säulen des Islams: das Sprechen des Bekenntnis, fünf Mal tägliches Beten, das Fasten im Monat Ramadan, die Entrichtung der Almosensteuer und der Besuch von Mekka. „95 Prozent des Korans ist Geschichte und keine Regeln“, sagte Moussa Al-Hassan Diaw.

Bei der Volkszählung 2001 wurden in Österreich 339.000 Muslime gezählt, davon ein Drittel, die in Wien leben. Heute wird die Zahl auf das Doppelte geschätzt. Seit 1912 ist der Islam in Österreich eine gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft.