Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Ein Glückstreffer für uns alle

20.03.18

Foto: Caritas/Wakolbinger

Reichtum allein ist kein Glücksbringer. Daran soll uns der internationale Tag des Glücks erinnern. Das soll aber im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass ein Leben in Armut per se glücklicher macht. Wer den massiven psychischen Stress kennt, den tägliche Existenzsorgen mit sich bringen, weiß, wovon die Rede ist. Das bestätigt auch die Forschung: Wenn man arm ist, wirkt sich eine Steigerung des Einkommens sehr positiv auf das Wohlbefinden aus. Sobald die Grundbedürfnisse erfüllt sind, zeigen weitere Einkommenszuwächse nicht mehr diese große Wirkung.

Für gesellschaftliche „Glücksgefühle“ bzw. höhere Zufriedenheit sorgt vor allem eine möglichst gleiche Verteilung der Einkommen. Hier ist der soziale Stress geringer, auch „nach oben“ kommen zu müssen, wie ebenfalls bereits Studien belegen konnten: in Ländern mit geringeren Einkommensunterschieden gibt es weniger psychische Erkrankungen, weniger Gewalt und Drogenmissbrauch etc.

Und viele „Glücksforscher“ erzählen uns, dass gelungene soziale Beziehungen grundlegend für die Zufriedenheit im Leben sind. Das ist ja eigentlich nichts Neues, aber es braucht heute offensichtlich dennoch ein neues Bewusstsein dafür. In unserer Arbeit als Caritas erleben wir täglich, wie sehr Menschen daran leiden: an zerbrochenen Beziehungen, Einsamkeit, Ausgrenzung, fehlenden sozialen Netzen. Jede und jeder, die oder der sich für andere engagiert, weiß, wie Menschen wieder sichtlich „aufleben“, wenn sie sich angenommen fühlen. Wenn sie erleben, dass jemand für sie da ist und für ihre Sorgen und Nöte ein offenes Ohr hat. Und wie heißt es so schön? „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Engagement für andere macht also auch selbst glücklich. Wir sollten daher erkennen: wenn wir Solidarität und Zusammenhalt leben, ist das ein „Glückstreffer“ für uns alle.

Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich