Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Einladung zum Sichtwechsel: Ausstellung zum 20-jährigen Jubiläum von LENA

04.05.18

V.l.n.r: Caritas-Abteilungsleiter Hans Schwarzbauer-Haupt, LENA-Leiterin Elke Welser, Caritas-Geschäftsführerin Marion Huber, Stadträtin Eva Schobesberger, Marie-Theres Prantner vom Bundeskanzleramt, sitzend von links: Landtagsabgeordnete Ulrike Böker und Gemeinderätin Arzu Büyükkal.

Seit 20 Jahren unterstützt und berät die Caritas-Einrichtung LENA Menschen, die in der Prostitution arbeiten oder gearbeitet haben. Anlässlich des runden Jubiläums lädt LENA ein, noch bis 29. Mai die Hör-Ausstellung „Prostituierte/Sexdienstleister*innen erzählen...“ bei freiem Eintritt, im Foyer des Alten Rathauses Linz, am Hauptplatz 1, zu besuchen.

„Es geht nicht darum zu be- oder verurteilen. Es geht für uns um eine Differenzierung, um ein genaues individuelles Hinhören, Zuhören, Hinsehen und um eine wertschätzende und vor allem solidarische, respektvolle Nähe zu den Menschen, denen wir in unserer Arbeit begegnen“, sagte LENA-Leiterin Elke Welser bei der Jubiläumsveranstaltung am 3. Mai, bei der auch die Hör-Ausstellung eröffnet wurde. Zu hören sind von einer Schauspielerin gelesene Tagebuchtexte von Sexdienstleister*innen. Sie erhalten dadurch eine Stimme und Raum, um sich anonym der Gesellschaft mitzuteilen. Die Inhalte geben eine große Bandbreite an Erfahrungen und Emotionen wieder. „Über die tatsächlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen, die in Österreich in den Sexdienstleistungen arbeiten, gibt es kaum Informationen. Prostituierte und ihre Lebenssituationen werden noch immer mehrheitlich ignoriert oder auf ihren Opferstatus reduziert – was sie in ihrer Handlungsfähigkeit einschränkt. Mit diesem sehr persönlichen Einblick wollen wir auch Vorurteile und Stereotype aufweichen“, sagt Elke Welser.

Bei der Jubiläumsveranstaltung verwies sie auch auf das Problem der allgegenwärtigen Diskriminierung ihrer KlientInnen: „Das Verbot der Diskriminierung aufgrund der Tätigkeit ist bisher in keinem Gesetz verankert. Dies macht es für unsere KlientInnen sehr schwierig ihre Rechte durchzusetzen. Wenn einer/m SexarbeiterIn die Eröffnung eines Kontos oder die Übergabe eines Taxilenkerscheins nach erfolgreicher Ausbildung aufgrund ihrer legalen Tätigkeit verwehrt wird, dann ist es meistens ein sehr mühsamer und langer Weg die Person darin zu unterstützen zu ihrem Recht zu kommen.“

LENA strebt eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen in den sexuellen Dienstleistungen an, um prekären Arbeitsverhältnissen entgegen zu wirken. Die Beratungsstelle will die Personen in ihren Rechten und ihrer Fähigkeit zur Selbstbestimmung stärken. Weiters setzt sich LENA dafür ein, der vorherrschenden Stigmatisierung und Diskriminierung von SexdienstleisterInnen entgegen zu wirken. Die vier Sozialarbeiterinnen beraten bei sozialen, rechtlichen und gesundheitsrelevanten Belangen und begleiten bei Bedarf zu Behörden oder Ärzten.

Zum 20-jährigen Bestehen gratulierten bei der Jubiläumsveranstaltung viele Ehrengäste – unter anderem Mag.a Marie-Theres Prantner – Frauensektion des Bundeskanzleramtes Landtagsabgeordnete Ulrike Böker, die Linzer Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Gemeinderat Arzu Büyükkal in Vertretung von Bürgermeister Luger.