Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

„Kleine Dinge können viel Freude bereiten“

11.05.18

Magdalena Steininger aus Freistadt ist eine von 120 jungen OberösterreicherInnen, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen. Die 20-Jährige folgt einer Idee, die heuer genau 50 Jahre alt wird: Sie leistet einen Freiwilligen-Dienst in einer Sozialeinrichtung. „Ich bin in der FRIDA tätig, im Caritas-Tageszentrum für wohnungslose Frauen in Linz“, erzählt die HAK-Absolventin. Wer sich für ein FSJ interessiert, kann sich ab sofort für den nächsten Einsatz, der im Herbst 2018 startet, anmelden. Die Caritas OÖ bietet viele verschiedene Einsatzgebiete an. Nähere Infos unter www.fsj.at

Eine Stunde bevor FRIDA aufsperrt, beginnt der Dienst von Magdalena Steininger: „Wir bereiten alles für das kostenlose Frühstück vor. Kochen Kaffee und Tee und decken den Tisch.“ Wenn die Besucherinnen dann eintrudeln, wird vor allem geplaudert. Bei einer heißen Tasse Kaffee erzählen die Frauen, wie es ihnen geht, was sie aufregt oder was sie vorhaben. „Ich bin in dem Kreis gut aufgenommen worden. Besonders berührt es mich, dass ich ihnen mit kleinen Dingen – wie ein paar Runden ‚UNO‘ spielen - eine große Freude machen kann. Kennt man die Schicksale und Lebensgeschichten der Frauen, sieht man die Welt mit anderen Augen und man beginnt, auch den kleinen Freuden im Alltag mehr Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt die 20-Jährige.

Nach Bewerbung und Auswahlverfahren für das FSJ begann Magdalena Steininger mit ihrem Einsatz bei FRIDA. Seither sieht sie Obdachlose mit anderen Augen: „Bei vielen würde man es auf der Straße gar nicht bemerken, dass sie keine Wohnung haben. Bei vielen stecken Schicksale und auch Krankheiten dahinter, dass sie auf der Straße leben.“ Persönlich ist die Freistädterin seit ihrer Arbeit viel offener geworden und plaudert auch mit fremden Menschen, was sie früher nie getan hätte. Von den Caritas-Sozialarbeiterinnen bei FRIDA hat sie jede Menge gelernt: „Vor allem wie man mit psychisch kranken Menschen umgeht – ich bin vorher damit noch nie in Berührung gekommen. Jetzt weiß ich unter anderem, dass man sich nicht alles zu Herzen nehmen darf.“

FSJ-Einsatzstellen bei der Caritas OÖ gibt es nicht nur in Obdachlosen-Einrichtungen, sondern in vielen Bereichen wie beispielsweise in Einrichtungen für alte Menschen oder Menschen mit Beeinträchtigungen, oder auch in Integrativen Heilpädagogischen Kindergärten oder Horten.

Wesentlich ist im Freiwilligen Sozialen Jahr, dass die jungen Menschen pädagogisch und fachlich begleitet werden. Einerseits von den ausgebildeten Fachkräften bei der Caritas, andererseits von den MitarbeiterInnen vom Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste. Es gibt Seminare und Exkursionen, in denen sich die Jugendlichen mit ihren Erfahrungen auseinandersetzen.

Rund 80 Prozent der Freiwilligen entscheiden sich im Anschluss an das FSJ für eine Ausbildung in einem sozialen oder pädagogischen Beruf. Viele Fachhochschulen oder Studienrichtungen, denen einschlägige Praxiserfahrungen ihrer Studierenden wichtig sind, sehen bei der Aufnahmeentscheidung das FSJ als wesentliche Zusatzqualifikation. Magdalena Steininger möchte an der JKU Sozialwirtschaft inskribieren und berufsbegleitend an der Faschhochschule Soziale Arbeit studieren.

Fakten zum FSJ

Für das FSJ können sich alle im Alter zwischen 18 und 24 Jahren bewerben. Die Einsatzdauer ist 10/11 Monate (max. 34 Stunden/Woche).

Die Teilnehmenden sind sozialversichert, bekommen das Jugendticket für den öffentlichen Verkehr, freie Verpflegung und Unterkunft. Das FSJ ist als Zivildienst anrechenbar. Das Taschengeld beträgt 245 Euro/Monat.

Koordiniert wird das FSJ seit 1968 vom Verein zur Förderung sozialer Dienste. In diesen 50 Jahren haben mehr als 2400 junge Menschen aus Oberösterreich das FSJ absolviert. Infos und Kontakt auf www.fsj.at.