Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

„Lieder sind Ankerpunkte im Leben“

29.05.18

„Wer sprechen kann, kann singen. Wer gehen kann, kann tanzen“, betont Mai Cocopelli. Die Kinderliedermacherin plädiert für mehr Musik im Alltag. (Foto: cocopelli)

Musik ist für Kinder ein Grundnahrungsmittel, ist Mai Cocopelli überzeugt. Die oberösterreichische Kinderliedermacherin  begeistert seit zwei Jahrzehnten mit ihren Liedern. Dabei sieht sie, wie sehr Musik Alt und Jung bereichert.

Erwachsene meinen oft, sie könnten nicht gut singen.

MC: „Ich bin überzeugt: Wer sprechen kann, kann singen. Wer gehen kann, kann tanzen. Das Bewusstsein, ‚schlecht‘ zu singen, kommt in der schulischen Laufbahn - sobald man bewertet wird. In diesem Punkt sind die Kinder unsere Lehrmeister: Sie singen rein aus Freude und ohne die Musik zu bewerten. Erwachsene bekommen durch Kinder die Chance, das Singen neu zu lernen.“

Warum lieben Kinder Musik?

MC: „Musik entspricht der Lebenswelt der Kinder. Der Hörsinn wird von Beginn an angesprochen. Schon im Mutterleib hören Kindern den Klang der Welt. So entsteht das Grundbedürfnis, die Welt durch Klang zu erfahren.“

Worauf soll man dabei achten?

MC: „Mein Erfolgsrezept: Kinder lieben es, wenn Musik mit Bewegung verknüpft wird. Dadurch finden sie besser zum Singen, entwickeln ein Körpergefühl und die Musik wird ganzheitlich. In meinen Liedern verwende ich dabei keine wahllosen Gesten, sondern die Gebärdensprache. So wird Sprache ‚begreifbar‘. Der Impuls dazu kam von hörbeeinträchtigten Kindern:  Sie baten KinderliedermacherInnen in Deutschland darum, nicht irgendwelche Gebärden zu verwenden, sondern die richtigen.“

Wobei hilft Musik noch?
MC: „Beim gemeinsamen Singen erleben Kinder Gemeinschaft und spüren: Alle gehören dazu. Auch die Sprachentwicklung profitiert. Stotternde Kinder schaffen es auch oft, ein Lied ohne zu Stottern zu singen – das Singen schaltet in uns Bereiche wie das Nachdenken aus, oder die Bedenken, etwas nicht zu können. Die Kinder sind entspannter, weil sie sich durch das gemeinsame Singen getragen fühlen. Und bei Kindern, die Deutsch lernen, weckt das Singen die Lust am Mitmachen, auch wenn sie die Wörter noch nicht verstehen."


Lesen Sie das vollständige Interview mit Mai Cocopelli zum Schwerpunktthema „Musik in der sozialen Arbeit“ in der aktuellen Ausgabe der „nah dran“. Kostenlos abonnieren bei der Caritas Information, Tel. 0732/7610-2020, information(at)caritas-linz.at