Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Kindertageseinrichtungen: Investitionen nicht nur für Ausbau, sondern auch in die Förderung der Kinder

26.07.18

Foto: Caritas/Wakolbinger

Caritas OÖ vermisst in den aktuellen Verhandlungen von Bund und Ländern die Sorge um die Qualität der Kinderbetreuung

Derzeit wird zwischen Bund und Ländern darüber debattiert, ob ein weiterer Ausbau der Kindertageseinrichtungen - auch hinsichtlich Öffnungszeiten – mit weniger Geld vom Bund möglich sei. „Ein Ausbau ist auch in OÖ insbesondere bei den Einrichtungen für kleinere Kinder notwendig“, erklärt auch Caritas-Direktor Franz Kehrer, MAS. „Ebenso müssen wir die Öffnungszeiten möglichst den Erfordernissen der Eltern anpassen, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen“. In OÖ orientiert sich die Öffnungszeit grundsätzlich am Bedarf der Familien. Oft sind es aber zu wenige Kinder, die den Kindergarten am Nachmittag benötigen und die Gemeinden können sich die Kosten nicht leisten. Auch die Elternbeiträge können die Ausgaben nicht decken. „Es gibt aber viele Eltern, die es sich nicht aussuchen können, ob sie berufstätig sind oder nicht. Und wenn künftig mehr Menschen mit 12-Stunden-Arbeitstagen konfrontiert sein werden, wird das noch mehr Eltern vor große Herausforderungen stellen“, gibt Kehrer zu bedenken.

Daran, dass dafür das notwendige Geld zur Verfügung gestellt werden müsse, dürfe eigentlich kein Zweifel bestehen. Es brauche allerdings noch zusätzliche Investitionen, so Kehrer: „Bei allen Diskussionen redet niemand von den Kindern. Dabei sind sich Bildungs- und Hirnforscher einig, dass die Lebenszeit von der Geburt bis ins Lebensalter von 6 Jahren maßgeblich für die Zukunft eines Menschen ist.“ Es brauche in diesem Zeitfenster ausreichend und gut qualifiziertes Personal, das sich den einzelnen Kindern und ihrer Entwicklung widmen kann. „Bildung im Kindergarten meint in erster Linie Persönlichkeitsbildung, die Förderung der Entwicklung von Werthaltungen, von sozialen Kompetenzen und grundlegenden Fertigkeiten. Der derzeitige Schlüssel von einer Pädagogin und einer Hilfskraft für Gruppen bis zu 25 Kinder in OÖ ist da eindeutig zu gering“, so Caritas-Direktor Kehrer.

Gerade in puncto Personal stehen derzeit allerdings die Zeichen auf Sturm: ein zunehmender Personalmangel zeichnet sich ab. „Starke Jahrgänge von erfahrenen PädagogInnen gehen gerade in Pension. Viele AbsolventInnen der entsprechenden berufsbildenden Schulen schlagen aber andere berufliche Wege ein, einige können dem Druck im Beruf zu Beginn nicht standhalten. Und es wird zunehmend eine existentielle Frage, Kindergarten- oder KrabbelstubenpädagogIn sein zu können, wenn nur Teilzeit-Stellen zur Verfügung stehen. Mehr als 75 % der rund 1.300 Fachkräfte in den oö. Einrichtungen der Pfarrcaritas sind nur mehr teilzeitbeschäftigt“, erklärt Kehrer. Wenn sich durch die Wiedereinführung von Elternbeiträgen am Nachmittag nun abzeichnet, dass manche Gruppen nicht mehr offen haben können, wird das die Teilzeit- und Ausstiegsquote bei den PädagogInnen noch befördern.

„Ich appelliere an die VerhandlerInnen von Bund und Ländern, die Sorge um das Wohl der Kinder und eine bestmögliche Förderung in den Mittelpunkt der Betrachtungen zu stellen. Dafür ist es notwendig, mehr Steuermittel zu investieren. Das ist allerdings sehr gut angelegtes Geld von uns allen – denn es wird sich für uns alle auszahlen, wenn Kinder sich gut entwickeln können. Investitionen in die Zukunft sind Investitionen in unsere Kinder“, betont Kehrer.