Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

25 Jahre WEGE zurück in die Mitte der Gesellschaft

12.10.18

Am Foto v. li.: Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer, MAS, Dr.in Adelheid Kastner, WEGE-Leiter Gottfried Boubenicek und Marion Huber, Geschäftsführerin der Caritas für Menschen in Not.

Mit der Wohnbetreuung für Haftentlassene in Wels hat die Caritas OÖ vor 25 Jahren ein einzigartiges Pilotprojekt gestartet. Seither wurden 386 Haftentlassene auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. Bei der Jubiläumsfeier in der Pfarre Herz Jesu am 11. Oktober bedankte sich die WEGE bei allen, die diese Arbeit seit Jahren unterstützen. Die forensisch-psychiatrische Gutachterin Dr. in Adelheid Kastner hielt einen Vortrag über das „Prognose- und Risikomanagement“ bei der Haftentlassung.

Nach dem Gefängnis in der Gesellschaft neu anzukommen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und „seinen“ Platz zu finden ist für Haftentlassene eine Herausforderung. Viele Betroffenen haben außerdem keine tragfähigen sozialen Kontakte, was sie in dieser schwierigen Situation oft wieder zurück in die Kriminalität führen könnte. In der WEGE finden derzeit 24 Haftentlassene Halt und Unterstützung. Neben dem Stammhaus mit zwölf Plätzen, gibt es sieben Wohnungen. Zusätzlich betreuen die SozialarbeiterInnen der Caritas Haftentlassene in der eigenen Wohnung. Schritt für Schritt arbeiten sie mit den Menschen Probleme auf, unterstützen dabei, das Leben neu zu ordnen und Perspektiven zu entwickeln.

„Als Caritas treten wir für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ein. Dazu gehört es auch, Menschen vom Rand wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Wir sind der Überzeugung, dass jeder Mensch wert ist, dass man ihm oder ihr eine zweite Chance gibt. Diese eröffnen wir mit der WEGE“, erklärte Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich bei der Feier.

Im vergangenen Jahr wurden 38 Haftentlassene betreut. Die Nachfrage, einen betreuten Wohnplatz zu bekommen, ist enorm. „Der Erfolg unserer Wohnbetreuung ist auch der tatkräftigen Unterstützung der vielen Freiwilligen und Zivildienern zu verdanken. Aktuell sind 15 Ehrenamtliche im Einsatz, die gemeinsam mit den SozailarbeiterInnen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ermöglichen.“, sagt WEGE-Leiter Gottfried Boubenicek.

Wie wichtig der soziale Empfangsraum, wie es die WEGE ist, nach einer Haftentlassung ist, zeigte die forensisch-psychiatrische Gutachterin Dr. in Adelheid Kastner in ihrem Vortrag auf. Soziale Beziehungen, Beschäftigung und eine gesicherte Wohnmöglichkeit seien Faktoren, die die Rückfallwahrscheinlichkeit stark verringern.

Eine große Gästeschar gratulierte zum 25-jährigen Jubiläum, unter anderem  Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, MBA, Bürgermeister Dr. Andreas Rabl und Dr.in Hildegard Egle, Präsidentin des Landesgerichts Wels.