Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Grenzenloses Engagement bei den „72 Stunden ohne Kompromiss“ 2018

23.10.18

Foto: (c) Haijes
72 Stunden lang haben sie alles gegeben und sind an ihre Grenzen gegangen: rund 500 Jugendliche, die sich in ganz Oberösterreich in 46 Sozialprojekten engagiert haben. TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen von „72 Stunden ohne Kompromiss“ ziehen eine äußerst positive Bilanz.

„72 Stunden ohne Kompromiss“ ist ein Projekt der Katholischen Jugend in Zusammenarbeit mit youngCaritas und Hitradio Ö3. Zum neunten Mal in der Geschichte der größten Jugendsozialaktion Österreichs haben sich von 17. bis 20. Oktober 2018 etwa 500 oberösterreichische Jugendliche ins Zeug gelegt, um die Welt zu „fairändern“.

Judith Zeitlhofer MSc, Projektkoordinatorin für die Katholische Jugend OÖ und Gesamtverantwortliche, ist müde, aber überglücklich über das Ergebnis: „Auch wenn ich die ‚72 Stunden ohne Kompromiss‘ schon zum dritten Mal organisiere, bin ich jedes Mal wieder tief berührt, was während dieser Aktion alles passiert, welche Gespräche geführt werden, was an Arbeit geleistet und geschafft wird und welche zwischenmenschlichen Begegnungen stattfinden. Besonders bei den Projektbesuchen bekomme ich die positive Energie und Begeisterung aller TeilnehmerInnen mit – und dann weiß ich, dass sich die viele Arbeit jedes Mal aufs Neue lohnt.“

Auch Sarah Glatz M. A., Projektverantwortliche für die youngCaritas in Oberösterreich, zieht eine höchst positive Bilanz: „Wir von der youngCaritas kamen bei unseren Projektbesuchen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus! Was da ganz nach dem Motto „Challenge your limits“ alles innerhalb von 72 Stunden auf die Beine gestellt wurde, ist einfach unglaublich. Die Jugendlichen haben die Herausforderungen mit Bravour gemeistert und in Windeseile auch die Herzen der BewohnerInnen in den Caritas-Einrichtungen erobert. So viel Energie und Abwechslung belebte den Alltag und die Dankbarkeit war richtig spürbar. Wir sahen so viele strahlende Gesichter, und freuen uns, dass durch die Projekte einzigartige und wunderbare Begegnungen möglich wurden. In diesem Sinne ein großes Dankeschön an alle Beteiligten!“

Begegnung mit neuen Lebenswelten

Bei den Projekten kamen die Jugendlichen mit Lebenswelten in Berührung, die ihnen sonst eher fremd sind. Sie begegneten alten Menschen, Menschen mit Beeinträchtigung, Haftentlassenen und AsylwerberInnen – und brachten viel Freude in den Alltag der Menschen. Umgekehrt wurden sie selbst durch neue Erfahrungen und Einsichten bereichert.

Etliche Projekte von „72 Stunden ohne Kompromiss“ fanden in Einrichtungen für SeniorInnen statt. Im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus der Caritas in Linz wurde der Eingangsbereich von einer Jugendgruppe aus Linz neu gestaltet. Jonas war bereits zum zweiten Mal bei der Jugendsozialaktion dabei und ist nach wie vor begeistert: „Es geht einfach darum, für andere etwas freiwillig zu machen und das Interesse der älteren Generation an uns Jüngeren ist wirklich toll.“

Im Seniorenwohnhaus Bad Hall der Caritas haben SchülerInnen des Gymnasiums Petrinum Farbe ins Haus und in den Alltag der SeniorInnen gebracht. Die BewohnerInnen waren glücklich über die Abwechslung, erzählten den Jugendlichen Geschichten über ihr Leben, beobachteten das Geschehen und genossen den Rummel. „Schade, dass es dieses Projekt nur alle zwei Jahre gibt. Sonst wären wir nächstes Jahr auch wieder dabei“, so die SchülerInnen begeistert.

Im Betreubaren Wohnen in Grieskirchen wurde von einer Jugendgruppe aus Gallneukirchen der Aufenthaltsraum neu gestaltet. Dabei kam aber auch die Begegnung mit den BewohnerInnen nicht zu kurz: So wurde bei einem „Fotoshooting“ von jedem Bewohner und jeder Bewohnerin des Hauses ein tolles Foto für die Wandgestaltung gemacht.

Auch in Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen legten sich die Jugendlichen 72 Stunden lang mächtig ins Zeug. Sie verschönerten Gärten und gestalteten einen Betonbalkon mit wunderschönen Mosaiken. Sogar ein Karaokeabend mit Disco wurde bei invita Buchkirchen organisiert. Lena dazu: „Man lernt etwas fürs Leben, tritt mit besonderen Menschen in Kontakt und wächst auch manchmal über sich selbst hinaus.“ Bei invita Neukirchen am Walde freuen sich die BewohnerInnen über eine neu gestaltete Feuerstelle. „Ich freu mich so, dass wir endlich eine gemütliche Lagerfeuerstelle bekommen haben. Ab jetzt können wir die schönen Abende im Sommer auch im Freien nutzen oder uns sogar mal eine Wurst grillen“, so eine Bewohnerin begeistert.

Unter den Jugendlichen sind zahlreiche „Wiederholungstäter“. Eine Schulklasse aus dem BORG Schärding verzichtete sogar extra auf eine weitere Exkursion in diesem Schuljahr, um an den „72 Stunden ohne Kompromiss“ teilnehmen zu können. Wenn das kein außergewöhnliches Engagement ist!

Soziales Engagement mit Blick über den Tellerrand

Bei den „72 Stunden ohne Kompromiss“ erlebten die Jugendlichen, dass soziales Engagement den eigenen Horizont weitet, erfüllend ist und auch Spaß macht. Immer bedeutet es einen Blick über den Tellerrand und macht deutlich, dass die Verantwortung nicht an der eigenen Stadt- oder Landesgrenze aufhört.

Für Menschen ohne Versicherung bzw. für obdachlose Menschen engagierten sich SchülerInnen aus dem BORG Schärding. Bei einer „Aktion Kilo“ sammelten sie Medikamente und Verbandsmaterial für das neu gekaufte Help-Mobil der Caritas und organisierten auch das Einweihungsfest des Help-Mobils. „Ein Herr hat uns um 60 Euro Schmerztabletten und Cremes gekauft – das ist echt viel Geld, das er fürs Help-Mobil ausgegeben hat“, ist Jonas begeistert. Alex berichtet, dass es mit der Zeit leichter fiel, die PassantInnen anzusprechen, ob sie fürs Help-Mobil etwas einkaufen wollen.

Kultur- und länderübergreifendes Miteinander

Flüchtlinge haben viele Jugendliche bisher nur aus den Medien gekannt. Die Begegnung mit konkreten Menschen bei den „72 Stunden ohne Kompromiss“ war für viele ein Aha-Erlebnis.

Im Flüchtlingshaus am Linzer Bindermichl wurden die Eingangsbereiche der Häuser gemeinsam mit den BewohnerInnen bunt und einladend gestaltet. „Es ist toll, wenn man Menschen unterstützen und sich mit seiner Kreativität austoben kann”, meint Magdalena, die sich in diesem Projekt engagiert hat. Hanna und Nadja: „Es ist einfach cool, dabei zu sein, gemeinsam an einem großen Ziel zu arbeiten, die Klassengemeinschaft zu stärken und eine andere Sicht zu bekommen.“ Das Highlight war für Jugendliche und BewohnerInnen ein gemeinsamer Ausflug mit dem Schiff und ein leckeres Picknick.

Auch beim gemeinsamen Kochen, etwa im Flüchtlingshaus Saxingerstraße in Linz, kamen Jugendliche und BewohnerInnen einander näher. Die 72-Stunden-TeilnehmerInnen waren begeistert von der kulinarischen Rundreise, von den interessanten Begegnungen und vom Spielen mit den Kindern. „Ich war erstaunt, wie warm und gemütlich dieses Flüchtlingshaus ist und wie herzlich wir empfangen wurden, unter anderem von ganz vielen Kindern“, berichtet Elisabeth.