Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

HEFO 2019: Wenn Haltung zur Sprache kommt

26.02.19

Wie man gelungen miteinander redet und die eigenen sowie andere Bedürfnisse versteht und respektiert, war das Thema der HelferInnen-Fortbildung (HEFO) am 19. und 20. Februar im Atrium in Bad Schallerbach.

Unter dem Motto „kommunizieren.verstehen.begleiten“ beschäftigte sich die HEFO 2019 mit guter Kommunikation in Kindertageseinrichtungen, Selbstfürsorge und dem Umgang mit Aggression bei Kindern. Rund 1000 HelferInnen aus kirchlichen Kindertageseinrichtungen nutzten die Tagung, um ihr pädagogisches Wissen in drei Fachvorträgen zu schulen und Ideen für ein besseres Miteinander im Alltag zu bekommen.

„Kommunikation und Haltung sind eine große Herausforderung im pädagogischen Alltag“, betonte Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, auf der Tagung. „Gleichzeitig findet man darin unzählige Möglichkeiten, auf das Zusammenleben von Kindern, Erwachsenen und PädagogInnen zu wirken – und so zu spüren: Hier habe ich Gestaltungsmöglichkeiten, um eine Situation zu verändern.“

Im Vortrag referierte Mag.a Susanne Ristl über die pädagogische Haltung, mit der man in eine Situation tritt. Die individuelle Erziehungsgeschichte, das Bild vom Kind, Wertehaltungen und das eigene Verständnis vom Beruf prägen die pädagogische Arbeit. Die Pädagogin betonte, wie wichtig daher Selbstreflexion sei, um die eigene Haltung konkret zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern, um Kinder in ihrer Entwicklung förderlich begleiten zu können. „Die eigene Erziehungsgeschichte beeinflusst unser Handeln stark: Wer hat mich geprägt? Welche Leitsätze habe ich aus meiner Familie mitgenommen?“ Auch die eigene Schulbiografie präge das Handeln – Ristl plädierte dafür, diese Biografie stets zu reflektieren, um nicht zum „Wiederholungstäter“ zu werden.

MMag.a Marina Steiner-Kohlmann befasste sich damit, wie man mit Aggressionen bei Kindern umgehen könne. Sie schlüsselte auf, welche Ursachen in der Aggression liegen können – vom Selbstwertgefühl angefangen über Temperament, ungeeignete Erziehungsstile, negativen Erwartungshaltungen bis hin zu hormonellen Ursachen. Auch die unterschiedlichen Aggressionstypen hob sie hervor: Während das instrumentell-aggressive Kind die Aggression gezielt als Instrument verwendet, um etwas zu erreichen, reagiert das affektiv-aggressive Kind auf einen Reiz von außen. Dem impulsiv-aggressive Kind hingegen fehle es an Handlungskontrolle. Steiner-Kohlmann richtete den Blick auf die verschiedenen Betroffenen in Kindertageseinrichtungen und machte bewusst, was in dem Kind selbst, den Eltern, den anderen Kindern sowie den PädagogInnen vor sich geht und welche Strategien helfen, um Veränderungen im Alltag zu bewirken. „Im Kindergarten alleine kann das Problem nicht gelöst werden, es gibt allerdings Strategien die helfen können, das Zusammensein in der Gruppe für alle Beteiligten zu erleichtern und gelingende soziale Interaktionen zu vermehren“, so Steiner-Kohlmann.

Zum Abschluss erläuterte Andrea Lenger-Hartwig, MSc, die Kommunikationsmodelle von Schulz von Thun und Paul Watzlawik und gab Kommunikationstipps, wie man vom „Ich höre etwas, was du nicht sagst“ zum „Ich höre zu, wenn du was sagst“ kommt. Sie zeigte, wie störanfällig Kommunikation ist, wie Missverständnisse entstehen und was einer wertschätzenden Kommunikation hilft. Dass es nicht immer leicht sei, die Theorie in die Praxis umzusetzen, weiß sie aus eigener Erfahrung: „Ich habe zehn Jahre lang Ich-Botschaften aufgeschrieben, bevor ich zum ersten Mal eine gesagt habe“, warf sie ein und betonte, wie wichtig es sei, sich selbst gegenüber freundlich und tolerant beim (Er-)Lernen zu sein. „Wir geben alle immer unser Bestes, das sollte uns immer bewusst sein“, so Lenger-Hartwig. „Auch das gehört zur Selbstfürsorge.“

Einen humorvollen Blick auf die Alltagsthemen in Kindertageseinrichtungen warf die Kinderliedermacherin Mai Cocopelli. Mit ihren Einlagen brachte mehr Leichtigkeit in die Vortragsthemen, besang die aggressiven Kinder mit dem „Monster in mir“ und bot so auch einen Sichtwechsel, der zum Mitsingen und –tanzen einlud. Den Applaus, den sie dafür bekam, gab sie gleich weiter – an die drei männlichen Helfer, die auf der Tagung waren. „Die Kinder brauchen euch so dringend im Kindergarten!“, bekräftigte sie.