Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Familien stärken heißt doppelt helfen

15.05.19

Portrait von Franz Keherer

Foto: Caritas/Wakolbinger

Kommentar von Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich

Trotzdem sich unser Bundesland zum Bemühen um Chancengleichheit bekennt und es auch viele Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt, ist noch viel zu tun. Am Ausbau von Wohnplätzen zum Beispiel wird zwar gearbeitet, aber der Bedarf übersteigt immer wieder die Möglichkeiten. Umso wichtiger ist es, Familien mit Kindern mit Beeinträchtigungen vom Start weg so gut wie möglich zu unterstützen und zu entlasten. Denn dann kann es gelingen, Überforderungen zu vermeiden und die Entwicklung von Kindern gleich von Beginn an gezielt zu fördern. Das bedeutet, dass Kinder in ihrer Familie bleiben können und dadurch zumindest nicht noch zusätzlicher Bedarf an Wohnplätzen in Betreuungseinrichtungen entsteht. So wird doppelt geholfen: Den Eltern werden viele Sorgen und Belastungen erspart und dem Staat auf längere Sicht Folgekosten für Betreuung, Unterbringung und ev. notwendige Behandlungen von psychischen Erkrankungen, die aus Überforderung resultieren.

Daher sind die „Frühen Hilfen“ in Form von Familienbegleitung und Mobiler Förderung von Kindern schon im Säuglingsalter ein ganz wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung. Diese Hilfen werden in OÖ. von verschiedenen Trägern angeboten und vom Land OÖ. finanziert. Es braucht aber noch viel mehr an Unterstützungsmöglichkeiten. Gerade für Familien mit Kindern, die aufgrund einer sehr schweren Beeinträchtigung intensive Betreuung brauchen, gibt es viel zu wenig Angebote. Denn wenn ein Kind zum Beispiel über eine Magensonde ernährt wird, dann ist der Betreuungsbedarf enorm und damit die Belastungen für die Eltern. Als Caritas werden wir daher ab nächstem Jahr auch eine Sommerwoche für Kinder mit einem solchen intensiven Betreuungsbedarf anbieten, damit die Eltern sich einmal eine „Auszeit“ nehmen können. Und wir entwickeln gerade ein Projekt nach Vorbild der persönlichen Assistenz für Kinder, das ebenso zum Ziel hat, dass mit dieser Hilfe die Kinder in ihrer Familie bleiben können.

Helfen wir alle zusammen, um Familien mit Kindern mit Beeinträchtigungen zu stärken. Davon profitieren nicht nur einzelne, sondern unsere Gesellschaft insgesamt.
 
Diesen Kommentar und weitere Geschichten lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „nah dran“. Sie können diese kostenlos abonnieren unter der Tel. 0732/7610-2020 oder per Mail an information(at)caritas-linz.at.