Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Wo Menschen wieder zu Atem kommen

17.06.19

Foto: Herbert Humenberger mit Stationsleiter Uwe Reich. Der 71-Jährige kann wieder ohne Maschine atmen und trainiert hartnäckig, um bald wieder nachhause gehen zu können.

Seit 10 Jahren führt die Caritas in ihrem Seniorenwohnhaus Karl Borromäus in Linz eine Station für Langzeitbeatmung. Hier leben Menschen, die nicht mehr eigenständig atmen können und auf Maschinen angewiesen sind. Auf der Station bietet die Caritas ihren BewohnerInnen viele Therapien und Trainings an – mit Erfolg: Von insgesamt 123 PatientInnen konnten 48 vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Einer von ihnen ist Herbert Humenberger aus Schardenberg.

Nach zwei Rücken- und einer Herzklappenoperation diesen Jänner fiel Herbert Humenberger ins Koma, brauchte einen Luftröhrenschnitt und musste künstlich beatmet werden. Als er drei Monate später aufwachte, war er auf die Beatmungsmaschine angewiesen. Doch er hatte Glück: Anfang Mai zog er von der Intensivstation in die Langzeitbeatmung der Caritas im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus. Hier hat Humenberger so schnell Fortschritte gemacht, wie es selten der Fall ist. „Ich habe hart trainiert. Die Atemtechnik mit der Physiotherapeutin und das Krafttraining mit der Ergotherapeutin“, erzählt Herbert Humenberger. Schon nach drei Wochen konnte er ohne Maschine – nur mit Unterstützung von Sauerstoff - atmen. „So schnell geht das selten“, berichtet Caritas-Mitarbeiter Uwe Reich, der die Station leitet. Herbert Humenberger aber kämpft: „Ich möchte gerne wieder nachhause zu meiner Frau Hildegard, mit der ich seit 51 Jahre verheiratet bin, und zu unserem Hund Pitt. Außerdem möchte ich meinen Enkel zu seiner Hochzeit begleiten.“ Einige Schritte kann der ehemalige technische Berater, der früher beruflich auf der ganzen Welt unterwegs war, schon wieder gehen.
„Auch wer als „austherapiert“ gilt, hat bei uns durch konsequentes Training innerhalb von Monaten schon beachtliche Fortschritte gemacht – selbst wenn es nicht immer dafür reicht, später nach Hause zu gehen“, erklärt Uwe Reich.

Der 79-jährige Dietmar Heiss lebt seit fünf Jahren auf der Langzeitbeatmungsstation. Er leidet an einer Krankheit, die seine Muskeln immer schwächer werden lassen. Er arbeitete bis zur Pension weiter als Zollbeamter. Auch die Reiselust von seiner Frau und ihm wurde durch die Krankheit nicht getrübt, bis er im Februar 2014 wegen einer Lungenentzündung und Herzproblemen ins Krankenhaus musste. Sein Leben stand auf der Kippe. Nach einem Luftröhrenschnitt lag er lange auf der Intensivstation. Als sein Gesundheitszustand stabil war, kam er auf die Langzeitbeatmungsstation der Caritas. „Mit der Betreuung in der Langzeitbeatmung fühle ich mich wohl. Ich bekomme auch viel Unterstützung von meiner Frau und den Kindern. Ich stehe jeden Tag so auf, dass ich um 9 Uhr fertig bin, dann gehe ich Radfahren im Wohnbereich, habe Ergo- und Atemtherapie. Ich vertreibe mir die Zeit mit Lesen, Computer und Internet sowie Fernsehen – und nachmittags bekomme ich immer Besuch. Da gehen wir auch manchmal runter in den Garten. Dass hier in Haus und Garten alles barrierefrei ist, ist von großem Vorteil.“

Fakten zur Station
Die Station verfügt über 10 Betten. COPD, neuromuskuläre Erkrankungen und Kyphoskoliosen (Verkrümmungen der Wirbelsäule) sind die häufigsten Erkrankungen. Im sogenannten WEANING-Prozess werden die PatientInnen von der maschinellen Beatmung entwöhnt oder an eine Dauerbeatmung angepasst. Ziel ist eine wesentliche Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der Lebensqualität. Auf der Station arbeiten unter der Leitung von Uwe Reich 24 Diplom-Pflegekräfte, 2 Physiotherapeutinnen und eine Fach-Sozialbetreuerin für Altenarbeit. Die ärztliche Leitung haben Dr. Walter Bostl und Dr. Milan Margoc. Zusätzlich kommen noch Wundmanager, Ergotherapeuten und eine Logopädin ins Haus.