Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Wenn Kindern alle Türen offen stehen

10.09.19

Drei Kinder schaukeln auf einer Nestschaukel

Der Kindergarten St. Michael ist ein offenes Haus. Die Kinder verbringen ihre Zeit nicht in fixen Gruppen, sondern bewegen sich den ganzen Tag lang über zwei Stockwerke - und können in verschiedenen Räumen ihren Stärken und Interessen nachgehen.

In der Spielstraße quieken die Meerschweinchen. Daneben sitzen drei Kinder an einem runden Holztisch und drücken bunte Glassteine in Plastilin. Obwohl die Spielstraße eigentlich „nur“ den Eingang des Pfarrcaritas-Kindergartens St. Michael mit den verschiedenen Räumen verbindet, herrscht hier reges Treiben. Hier kommen Kinder an und verabschieden sich. Sie spielen am Klavier, mit den Meerschweinchen und setzen sich am runden Tisch zur Kinderversammlung zusammen, wenn etwas passiert ist, das mit mehreren Kindern zu besprechen ist.

Als das Plastilin seine Schuldigkeit getan hat, springen zwei der Mädchen auf. „Jetzt geh’n ma nach oben“, sagt eine, und sie flitzen über die Treppe in den ersten Stock.

Der Kindergarten in der Linzer Uhlandgasse ist offen. Es gibt keine festen Gruppen. Den Tag über bewegen sich 67 Kinder durch das ganze Haus, spielen mal im Turnsaal, malen im Atelier oder sägen Holz auf der „Baustelle“. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – im Gegenteil: Sie wird auf jedem Fleck des Kindergartens angeregt. Erklimmt man die Treppe ins Obergeschoß, steht man mitten in der zweiten Spielstraße. Eine schräge Glasdecke lässt den Himmel herein und durchflutet das Gebäude mit Licht. Zwei Kinder blättern in der Leseecke in Büchern, der Schleifplatz für die Arbeit mit Specksteinen ist unbesetzt – aber die Werkzeuge und Specksteine liegen bereit – und am Wasserspielplatz steht Pauli, mit wasserdichter Schürze und Gummistiefeln bekleidet, und pritschelt im Becken. Die ganzen Angebote finden vor den eigentlichen Gruppenräumen statt.

Platz für Kreativität
Die Idee ist simpel: Während sonst jede Gruppe im Kindergarten ein Zimmer hat, in dem sich das ganze Geschehen abspielt, hat in St. Michael jeder Raum einen Schwerpunkt. Die Kinder wechseln nach Lust und Laune die Räume. Vor jeder Tür gibt es eine Ampel. Zeigt sie rot, ist der Raum voll. Besonders oft passiert das im Turnsaal. Daher gibt es vor den Räumen vielfältige Lernangebote, mit denen sich die Kinder beschäftigen können, während sie auf einen freien Platz warten.

„Bei uns basiert alles auf Freiwilligkeit“, erklärt Leiterin Maria Gammer. „Was freiwillig ist, ist interessant.“ So vermeidet der Kindergarten auch die Situation, dass die Gruppe ein Lied singen soll, aber zwei, drei Kinder vielleicht gerade gar nicht singen wollen. Und nicht nur das. „Wenn ein Kind in einem Zimmer in eine Streiterei gerät, kann es in einem anderen Raum unbelastet neu anfangen. Die Räume haben auch unterschiedliche Stimmungen – im Turnsaal ist es laut, im Malatelier ruhig und konzentriert“, so die…

Lesen Sie die vollständige Reportage über den Kindergarten St. Michael in der aktuellen Ausgabe der „nah dran“. Kostenlos abonnieren bei der Caritas Information, Tel. 0732/7610-2020, information(at)caritas-linz.at