Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Das Rezept zum Schulerfolg

10.09.19

Eine Frau zeigt auf eine Tafel wo drei Symbole aufgezeichnet wurden.

Mag.a Christina Haslehner leitet das Lerncafé im Linzer Stadtteil Auwiesen.

Sechs Lerncafés in Oberösterreich machen Kinder und Jugendliche fit für die Schule. Wer aus einer sozial schwächeren Familie kommt, hat so einen Weg hinaus aus der Bildungsarmut. Fast alle schaffen einen positiven Schulabschluss. Dass die Lerncafés so erfolgreich sind, liegt jedoch nicht allein am Büffeln, wie Lerncafé-Leiterin Christina Haslehner weiß.


Was ist das Erfolgsrezept der Lerncafés?

Haslehner: Wir gehen individuell auf die Kinder ein. In der Regel lernt ein Erwachsener mit drei Kindern, bei Bedarf gibt es Einzelbetreuung. Diese individuelle Förderung macht die Lerncafés aus. Wir können uns die Zeit nehmen, spielerisch mit den Kindern zu erforschen, was ihnen beim Lernen gut tut. Zusätzlich hilft die heterogene Gruppe beim sozialen Lernen. Die Kinder haben verschiedene kulturelle Hintergründe und sind vom Alter her durchmischt. Bei der gesunden Jause und in der Spielezeit lernen sie dann, Rücksicht auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersstufen zu nehmen.

Welche Wirkung siehst du?

„Zum einen verbessern sich im schulischen Bereich die Noten. Gleichzeitig werden die Kinder selbständiger und lernen sich ihre Zeit einzuteilen. Ein Mädchen war mehrere Jahre im Lerncafé. Anfangs konnte sie sich nicht zum Lernen motivieren und geriet immer wieder in Konfrontation mit anderen. Durch viele Gespräche, Geduld und vor allem Zuhören haben wir gemeinsam erarbeitet, dass sie mit Musik viel leichter lernen kann und ein visueller Lerntyp ist. Sie hat gelernt, offen darüber zu sprechen, wie es ihr geht und was sie braucht. Dadurch hat sie nicht nur schulisch große Fortschritte gemacht, sondern auch im Zusammenleben. Sie ist unheimlich rücksichtsvoll, einfühlsam und hilfsbereit geworden.“

Das heißt, die Kommunikation ist ein grundlegender Faktor?

„Nicht nur das Reden mit den Kindern ist wichtig, sondern auch außerhalb der Lernbegleitung mit den verantwortlichen Erwachsenen. Das sind zum einen die Eltern. Wir laden sie mindestens einmal pro Semester zu einem Verlaufsgespräch ein. Den meisten Eltern ist bewusst, wie wichtig die schulische Laufbahn für ihre Kinder ist. Sie wollen helfen, sprechen aber oft zu schlecht Deutsch, um mit ihnen zu lernen. Wir vermitteln ihnen, wie wichtig ihre Vorbildwirkung ist – schon alleine, dass sie ihre Kinder fragen, wie es ihnen geht, Interesse zeigen oder sich beim Lernen dazusetzen. Auch mit den LehrerInnen reden wir mindestens einmal im Semester, und auf Wunsch gehen wir zu Lehrergesprächen mit.“

Was ist für die Kinder am wertvollsten?

„Dass jemand für sie Zeit hat – für jedes einzelne Kind. Dass sie im Lerncafé Zeit zum Ausprobieren haben und Fehler machen dürfen um zu erfahren, was für sie funktioniert. Uns ist auch wichtig, dass wir bei den Kompetenzen und Talenten der Kinder ansetzen. Gerade Kinder, die Schwierigkeiten in der Schule haben und immer wieder hören, was noch nicht klappt, haben oft auch ein niedriges Selbstwertgefühl. Wir unterstützen sie dabei, ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten zu erkennen. Sie spüren dann, dass wir sie in ihren Talenten wertschätzen – und entwickeln so mehr Selbstsicherheit.“

---

Info: Die Caritas-Lerncafés sind ein kostenloses Lern- und Nachmittagsbetreuungsangebot für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren. MitarbeiterInnen und viele freiwillige HelferInnen helfen den SchülerInnen bei Hausaufgaben und der Vorbereitung auf Tests. Auch gemeinsam spielen und die Freizeit gestalten steht auf dem Programm.