Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Wie Menschen mit Beeinträchtigung das Unternehmen bereichern

17.10.19

Am Foto v. li.: Mag. Gerhard Breitenberger (Geschäftsführer Diakoniewerk OÖ), Gerda Weichsler-Hauer (3. Landtagspräsidentin), Martin Essl (Initiator Zero Project), Bundesrätin Johanna Miesenberger, Caritas-Geschäftsführer Stefan Pimmingstorfer und Caritas-Bereichsleiter für Arbeit und Ausbildung Edgar Gratzer

Welche Vorteile es für Unternehmen hat, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen, erfuhren vor kurzem 130 BesucherInnen beim Zero-Project-Unternehmensdialog, zu dem die Essl Foundation, die Caritas OÖ und das Diakoniewerk in den Linzer Redoutensälen einluden.

Die Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigungen wird häufig als Sozialprojekt und nicht als wirtschaftliche Bereicherung verstanden. Dabei steckt enormes ökonomisches Potenzial darin: 15 Prozent der Bevölkerung und damit auch 15 Prozent der KundInnen haben eine Beeinträchtigung, auf diese Zielgruppe kein Unternehmen verzichten sollte. Dazu kommt, dass sich laut WKOÖ 98.000 Unternehmen in Oberösterreich intensiv damit beschäftigen, wo sie die Fachkräfte der Zukunft hernehmen. Außerdem macht es volkswirtschaftlich Sinn, weil es 14 mal günstiger ist einen Menschen mit Beeinträchtigung zu beschäftigen, als ihn oder sie durch das Sozialsystem zu unterstützen. Dass eine Anstellung auch positiv auf das Betriebsklima wirkt, erzählten beim Unternehmensdialog u.a. Bäckermeister Reinhard Honeder oder Michaela Walther, Personalverantwortliche im Autohaus Lietz: Wichtig sei nur, das Team zuerst auf die neue Situation vorzubereiten und Bedenken unter den MitarbeiterInnen ernst zu nehmen und zu besprechen.

„Man braucht nicht mutig zu sein um Menschen mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. Man muss eine Offenheit mitbringen - dann wird man merken, dass es einfacher geht als man denkt“, sagt Mag. Stefan Pimmingstorfer, Geschäftsführer der Caritas für Menschen mit Behinderungen. Auch Experten des Beleuchtungshauses Molto Luce und des Inkuna Naturresorts konnten beim Unternehmensdialog so manchen Personalverantwortlichen überzeugen. „Ich fand es spannend, bei der Veranstaltung die Perspektiven von anderen Unternehmen anzuschauen, die schon Erfahrungswerte haben. Es macht Mut es auch zu versuchen“, zieht Jeannette Kemminer vom Siemens-Personalmanagement Resümee.

Anlaufstellen helfen

Seit einigen Monaten gibt es in Grieskirchen und Linz ein Zentrum für Berufliche Zukunftsplanung (ZBZ), das von der Caritas, dem Diakoniewerk und promente geführt wird. Das ZBZ richtet sich an Personen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht oder noch nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können sowie an Unternehmen die bereit sind, Menschen mit Beeinträchtigungen eine Entwicklungsmöglichkeit zu bieten. Ziel des ZBZ ist es, Unternehmen und Menschen mit Beeinträchtigung zusammenzubringen. Für eine Erstberatung von interessierten Unternehmen steht in Oberösterreich auch das Betriebsservice OÖ zur Verfügung.

Zero Project Unternehmensdialog

Linz 2019