Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Caritas-Bewohnerin mit Literaturpreis „Ohrenschmaus“ ausgezeichnet

09.12.19

Foto: Ohrenschmaus (c) Daniel Schaler
Cornelia Pfeiffer (58) die in einem Wohnhaus der Caritas für Menschen mit Beeinträchtigungen in Linz wohnt, ist am Montag, 2. Dezember, mit dem Literaturpreis „Ohrenschmaus“ in Wien ausgezeichnet worden. „Ich habe mich sehr gefreut. Es ist ein Hoch-Gefühl“, freut sich die gebürtige Innviertlerin. Cornelia Pfeiffer beeindruckte die Jury mit ihren niedergeschriebenen Erfahrungen unter dem Titel „45 Jahre in einer Einrichtung“. In dem Text vergleicht sie anschaulich, wie sehr sich das Leben für Menschen mit Beeinträchtigungen verändert hat und Inklusion heute funktioniert.

Der Literaturpreis fördert in den drei Kategorien Prosa, Lyrik und Lebensgeschichte Texte von Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Jury rund um Felix Mitterer ist jedes Jahr aufs Neue überrascht und begeistert, welche großen Talente hier ans Licht kommen. Cornelia Pfeiffer, die im Caritas-Haus St. Josef in Linz wohnt, rüttelt mit ihren Sätzen auf. Sie schildert, wie fremdbestimmt vor ein paar Jahrzehnten noch das Leben für beeinträchtigte Menschen war: „Früher hat es für mich keine Rückzugs-Möglichkeiten gegeben. Ich habe mein Schlafzimmer mit mehreren Mädchen geteilt. Das Schlafzimmer war nur zum Schlafen da und auch zum Aufräumen. Jetzt habe ich meine Wohnung. Wenn ich allein sein möchte oder wenn ich nicht gestört werden möchte, sperre ich die Tür zu…“

Preisträgerin Cornelia Pfeiffer, die in Altheim im Innviertel geboren und aufgewachsen ist, schreibt seit ihrer Schulzeit: „Vor allem Tagebuch habe ich geschrieben. Kurse zum Literarischen Schreiben habe ich nicht gemacht.“ Seit 1976 wohnte sie in verschiedenen Einrichtungen für beeinträchtigte Menschen in Oberösterreich, bevor sie vor 23 Jahren ihre eigene Wohnung bei der Caritas beziehen konnte. Dort kann sie ein selbstbestimmtes Leben führen und bekommt Unterstützung, wenn sie sie braucht. Nach vielen Jahren in der Näherei, arbeitet sie nun als Qualitäts-Evaluatorin beim Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen. Zeit zum Schreiben findet sie vor allem im Urlaub oder wenn sie bei ihrer Tante ist. „Inspirieren kann mich vieles. Ich schreibe über Menschen mit Lernschwierigkeiten, den Urlaub in einer schönen Landschaft und meine eigenen Erlebnisse. Manchmal schreibe ich auch Gruseliges oder auch einen Liebes-Roman“.