Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Jeder Einzelne zählt

18.08.20

Ein Gastkommentar von unserem Direktor Franz Kehrer, MAS in den OÖ Nachrichten am 18.8.2020.

Mit dem Welttag der humanitären Hilfe am 19. August soll die Arbeit von HelferInnen in den Krisenregionen der Welt gewürdigt werden. Corona hat auch uns wieder einmal vor Augen geführt, was es heißt, in Angst zu leben. Nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht, sondern auch in Bezug auf  wirtschaftliche und soziale Folgen daraus. Viele Menschen mussten und müssen um ihre Existenz bangen. Dadurch können wir nun ein wenig mehr erahnen, wie es Menschen in anderen Teilen der Welt gehen muss, deren Leben tagtäglich bedroht ist – sei es durch bewaffnete Konflikte oder durch Hunger. „Die Menschen bei uns haben mehr Angst davor, am Hunger zu sterben, als durch das Corona-Virus. Wenn man sein Haus nicht verlassen kann, kann man nicht essen“, hat unser Mitarbeiter Corneille Ndalianga in Kinshasa, DR Kongo, schon zu Beginn der Corona-Pandemie gesagt.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in Afrika lassen auch bereits Schlimmes erahnen: die Ausgangssperren hatten zur Folge, dass jene, die sich ihr Geld durch kleine Geschäfte auf den Märkten verdienen, das nicht mehr konnten. Firmen mussten schließen, nicht zuletzt durch den Wirtschaftseinbruch in China und im Westen. Viele wurden arbeitslos, der Tourismus brach ein, die Lebensmittelpreise stiegen an. Dass die Armut und damit auch die Zahl der Hungernden steigen werden, ist vorprogrammiert.

Was aber kann humanitäre Hilfe angesichts der enormen Zahl an unterernährten Menschen schon ausrichten? Was können wir als Einzelne schon tun, wenn korrupte Regierungen und ausländische Konzerne Menschen und Umwelt am afrikanischen Kontinent ausbeuten? Wenn man nur die Zahlen von mehreren hundert Millionen hungernden Menschen vor Augen hat, dann führt das schnell zu einem Gefühl der Ohnmacht. Wenn man aber in Projekten der humanitären Hilfe arbeitet, hat man nicht diese Zahlen im Blick, sondern die einzelnen Menschen, für die man ganz konkret etwas bewirkt. Wenn man die Lebenssituation von Menschen nachhaltig verbessern kann, indem zum Beispiel Landwirte mit Know-How zu neuen Anbaumethoden und verbessertem Saatgut nun selbst für ihre Familien sorgen können. Oder wenn sie mit einer Ausbildung als Schneider oder einem anderen Handwerk für ihr Einkommen sorgen können. Jeder Einzelne, für den damit das Überleben gesichert ist, zählt.

Wir alle tragen für unsere Welt gemeinsam Verantwortung – und die Welt hört nicht an unserer Landesgrenze oder den Grenzen Europas auf. Daher dürfen auch Solidarität und Nächstenliebe nicht an unserem „Gartenzaun“ Halt machen, auch nicht in Zeiten wie diesen.