Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Appell an die Menschlichkeit zum Langen Tag der Flucht

02.10.20

Foto: Caritas/Wakolbinger

Statement von Caritas-Direktor Franz Kehrer, MAS zum „Langen Tag der Flucht“ am 2.10.2020

Bereits zum 9. Mal findet heuer der „Lange Tag der Flucht“, ins Leben gerufen von UNHCR, statt.

Die Situation an den Außengrenzen der EU, insbesondere im abgebrannten griechischen Lager Moria, zeigt deutlich auf, dass wir uns mit dem Thema Flucht weiterhin auseinandersetzen müssen. Bei uns in Österreich sind die Zahlen der AsylwerberInnen zwar rückläufig, aber in vielen Teilen der Welt sind nach wie vor viele Menschen auf der Flucht. Zumeist im eigenen Land, aber auch in andere Staaten, und auch in die EU. Menschen, die in ihrer Heimat keine Lebensgrundlage mehr haben, die verfolgt werden und sich ein Leben in Frieden und Sicherheit für sich und ihre Familien wünschen. Menschen, die dafür in Kauf nehmen, monate- oder jahrelang unter menschenunwürdigen Verhältnissen zu leben.

Und genau bei diesen menschenunwürdigen Verhältnissen können wir nicht einfach wegsehen. In den Flüchtlings-Lagern auf den griechischen Inseln - nicht nur in Moria - herrscht ein humanitärer Notstand auf europäischem Boden. Daher haben wir erst gestern wieder gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen unsere Regierung dazu aufgerufen, die Evakuierung besonders schutzbedürftiger Personen nach Österreich zu ermöglichen. Es reicht nicht, Zelte und Decken zu schicken: Evakuierungen sind das Gebot der Stunde. Die Menschen müssen endlich unter menschenwürdigen Bedingungen in europäischen Ländern aufgenommen werden und ihnen ein Asylverfahren ermöglicht werden. Das bedeutet ja noch nicht, dass allen auch das Recht auf Asyl zugesprochen wird und sie langfristig in Europa bleiben können. Alle EU-Staaten sind jetzt gefordert Griechenland zu unterstützen und Schutzsuchende aufzunehmen. Auch Österreich.

Die Bischofskonferenz hat kürzlich ebenso der Bundesregierung nachdrücklich „die Aufnahme eines fairen Kontingents von Flüchtlingen“ empfohlen. Jedes politische Kalkül über die Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen in Europa sei angesichts der aktuellen Notlage daher völlig verfehlt. „Jetzt zählt rasches und entschlossenes Handeln. Wir können und dürfen nicht wegschauen“, so die österreichischen Bischöfe.

Es gibt hunderte leerstehende Plätze in Flüchtlingsunterkünften in Oberösterreich, die umgehend für diese Menschen zur Verfügung gestellt werden können.

Daher appellieren wir dringend an die Verantwortlichen, europäische und christliche Werte wie Nächstenliebe und Humanität nicht zu vernachlässigen und den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln nicht die kalte Schulter zu zeigen. Die Nächstenliebe gebietet uns, diesen Menschen Schutz und Zuflucht zu geben.