Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Rücken wir im Herzen zusammen

12.11.20

Foto: Caritas/Wakolbinger

Caritas-Direktor Franz Kehrer, MAS, zum Welttag der Armen am 15.11.2020:

Am 15.11. findet am „Elisabethsonntag“ wieder der „Welttag der Armen“ statt, den Papst Franziskus 2017 erstmals ausgerufen hatte, um auf die Notwendigkeit der Hilfe für die Armen aufmerksam zu machen.

In diesem Jahr hat dieser Tag durch die Corona-Pandemie an Brisanz gewonnen. Viele Menschen – bei uns und weltweit – wurden dadurch in Armut gestürzt. Sie haben ihre Arbeit verloren oder auch als Selbständige ihren Betrieb. Papst Franziskus ruft dazu auf, gerade jetzt in der Pandemie den Einsatz für die Armen zu verstärken. Dabei komme es nicht auf viele Worte an, sondern darauf, "sein Leben konkret einzubringen".

In Oberösterreich sind wir vor allem in unseren 12 Caritas-Sozialberatungsstellen mit einem Anstieg der Zahl an Hilfesuchenden konfrontiert. Und es ist zu befürchten, dass die Anfragen wegen der hohen Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten weiter zunehmen werden. Besonders schlimm erwischt hat es Geringverdiener, die nun arbeitslos geworden sind. Denn das Arbeitslosengeld beträgt nur 55 % des täglichen Nettoeinkommens.

Aber nicht nur Corona hat die Armutslagen verschärft. Die neue Sozialhilfe, die in Oberösterreich inzwischen die bedarfsorientierte Mindestsicherung ablöst, hat neue Probleme für Menschen mit geringem Einkommen mit sich gebracht. Wenn man so wenig Geld hat, dass man Anspruch auf Wohnbeihilfe hat, wird diese aber jetzt zum Einkommen dazugerechnet – sodass man dann weniger Sozialhilfe bekommt. Bis zu 150 Euro pro Monat weniger sind eine Katastrophe für Menschen, die ja ohnehin in Armut leben müssen.

Die psychischen Belastungen der Menschen, die zur Caritas kommen, sind enorm. Da tut es gut, wenn sie sich bei den Caritas-MitarbeiterInnnen mal die Sorgen von der Seele reden können und erfahren, dass sie nicht allein damit gelassen sind. Ein Mann hat sich mit folgenden Worten bedankt: „Sie haben aus einem ‚Die nächsten zwei Monate sind nicht zu bewältigen‘, ein: ‘Ich kann durchatmen‘ gemacht - was eine immense Hilfestellung ist für meine derzeitige psychische Verfassung. Sie haben also nicht bloß eine Rechnung beglichen, sondern mein Leben etwas friedlicher und aushaltbarer gemacht.“

Als „erste Hilfe“, um eine akute Notsituation zu überbrücken, geben die Caritas-MitarbeiterInnen Lebensmittel- und Bekleidungsgutscheine aus, außerdem wird bei Heizungs-, Strom- oder Mietzahlungen unterstützt. In Linz gibt es für Betroffene auch Lebensmittelpakete, die von der Katholischen Jugend zusammengestellt werden. Gemeinsam mit den Betroffenen wird auch nach einem langfristigen Weg aus der Notlage gesucht und dabei unterstützt, verschiedene sozialrechtliche Ansprüche geltend zu machen.

Mehr denn je auf Solidarität angewiesen

Die von Armut Betroffenen sind mehr denn je auf die Solidarität jener angewiesen, die in der Lage sind, mit Mitmenschen zu teilen. Daher rufen wir jetzt im November und auch am Elisabethsonntag in den Kirchen als Caritas wieder dazu auf, mit Spenden unsere Hilfe für Menschen in Not in Oberösterreich zu unterstützen. Rücken wir in dieser Zeit des „Abstand-Haltens“ im Herzen zusammen und leben wir Zusammenhalt, indem wir Menschen in Not nicht alleine lassen. Menschlichkeit und Solidarität sind ebenso schützenswert wie unsere Gesundheit.


Hier können Sie helfen: https://www.caritas-linz.at/spenden-helfen/spenden/kampagnen/armut-in-oesterreich/