Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Caritas-Servicestelle ist bei allen Sorgen für pflegende Angehörige da

19.11.20

Foto: Humer Lenzing

Die Corona-Pandemie hat die Sorgen der pflegenden Angehörigen verstärkt. „Viele Angehörige haben aktuell mehr denn je Angst, in der Pflege und Betreuung auszufallen und die pflegebedürftige Person unversorgt zurück zu lassen“, weiß Helene-Kreiner Hofinger von der Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige in Linz, die auch für pflegende Angehörige im Bezirk Linz Land zuständig ist. Über die Situation zu reden schafft Erleichterung. Die Beratung ist kostenlos und findet per Telefon, Videochat oder bei einem persönlichen Termin statt.

Statistisch gesehen ist jede vierte Familie einmal in ihrem Leben mit Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit von Angehörigen konfrontiert. Dabei geht es zwangsläufig nicht immer um Tätigkeiten wie die direkte Körperpflege. Vielmehr unterstützen Angehörige in der Bewältigung des Alltags und begleiten in vielen Bereichen. „Während die Organisation von Unterstützungsangeboten aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten für viele zermürbend ist, ist es doch meist die Achterbahn der Gefühlslagen und das Zwischenmenschliche, das für Angehörige viel kräfteraubender ist“, weiß Caritas-Mitarbeiterin Helene Kreiner-Hofinger. „Mal gibt es gute Tage, da funktioniert alles und man ist eingespielt. Und dann denkst du dir wieder ‚Wie man es macht, ist es falsch‘, zumindest habe ich immer das Gefühl es wäre so“, schilderte Frau M. die seit drei Jahren ihre Schwiegermutter zu Hause betreut.

Der Begleiter für viele Angehörige sind vor allem die Sorge, der pflegebedürftigen Person zu wenig Zeit zu widmen, falsche Entscheidungen zu treffen, die eigene Familie oder Freunde durch die Pflege zu vernachlässigen, die Sorge die Pflege und Betreuung könnte noch intensiver werden und vor allem die Sorge darüber, was denn wäre, wenn man einmal nicht mehr kann.

„Mit den Sorgen nicht alleine bleiben ist hier entscheidend“, weiß Helene Kreiner-Hofinger. Oft sind es die eigenen hohen Ansprüche, die diese Sorgen verursachen. Hier ist wichtig nicht nur Verständnis für die pflegebedürftige Person zu zeigen, sondern auch verständnisvoll mit sich selbst zu sein. „Ich bin überzeugt, dass alle Angehörigen stets das Bestmögliche in ihrer Situation zu tun versuchen. Das sollte den Angehörigen bewusst sein und sie sollten eine versöhnliche Haltung zu sich selbst haben“, so die Caritas-Mitarbeiterin. Wenn man kaum mehr schläft, sich nur mehr mit der pflegebedürftigen Person über Wehwehchen und die immer gleichen, oft schon stark eingeschränkten Themen, unterhalten kann und keine anderen Kontakte mehr hat, da kann es schon passieren, an die Grenzen zu kommen.

Über die Situation zu reden schafft hier bereits Erleichterung. Die kostenlose und vertrauliche Beratung kann persönlich in der Beratungsstelle in Linz, telefonisch, per Videochat oder bei Angehörigen zu Hause stattfinden. „Die Überwindung, ein Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen, ist im Vorfeld zwar oft groß. Doch nach einer Beratung hören wir oft, ‚Wenn ich gewusst hätte, wie gut es tut, mit jemandem darüber zu reden, der die Situation versteht, dann hätte ich schon viel früher angerufen‘“, ermutigt Helene Kreiner-Hofinger sich an sie zu wenden. Auch der Austausch mit Personen in ähnlichen Situationen und die Erkenntnis, dass es vielen so geht, ist sehr heilsam.

Dazu bietet die Caritas-Servicestelle während der Corona-Pandemie das Online-Gruppentreffen „Wegzehrung“ an. Informationen dazu sowie zu Beratungsterminen erhalten Sie bei der Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige.

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