Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Corona und Kälte: Belastungen und Hilfsangebote für Obdachlose in Linz

14.12.20

Die kalte Jahreszeit ist für obdachlose Menschen ohnehin belastend, die Corona-Schutzmaßnahmen erschweren ihre Situation noch zusätzlich. Mit verschiedenen Hilfsangeboten sind u.a. Caritas, evangelische Stadtdiakonie und Sozialverein B37 in Linz trotz Abstand für die Menschen da.

In der Wärmestube, dem Caritas-Tageszentrum für wohnungslose Menschen, herrscht in der kalten Jahreszeit Hochbetrieb. So wie im Off’nstüberl der evangelischen Stadtdiakonie erhalten die Menschen hier Getränke und Essen und können sich tagsüber aufwärmen. Allerdings ist die Zahl der Personen, die gleichzeitig in der Einrichtung sein darf, beschränkt. „Corona macht unsere Arbeit noch schwerer. Um Menschen helfen zu können, die unter psychischen Problemen oder Suchterkrankungen leiden, ist eine Beziehung das Um und Auf. Abstandhalten und Zugangsbeschränkungen sind dabei natürlich eine große Hürde. Die Sorge ist groß, dass hier Menschen auf der Strecke bleiben, weil wir sie nicht mehr erreichen. Unsere niederschwelligen Angebote sind durch die Maßnahmen nicht mehr so niederschwellig nutzbar“, sagt Dr. Georg Wagner, Geschäftsführer der evangelischen Stadtdiakonie Linz.

Die Notschlafstelle NOWA vom Verein B37 ist aktuell 24 Stunden lang geöffnet und nicht nur - wie sonst - über Nacht. „Wir sind zwar gut ausgelastet, haben aber noch Reservebetten frei“, sagt B37-Geschäftsführer Christian Gaiseder. In den Wintermonaten betreibt der Sozialverein auch eine „Kälteschutz-Hotline“. Telefonisch unter 0732 / 77 67 67 – 560 am Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr oder per Mail unter kaelteschutz(at)b37.at kann sich hier jeder melden, der einen Obdachlosen sieht, der Unterstützung benötigt. Streetworker suchen die betroffene Person auf und kümmern sich um sie. „In akuten Notfällen sollte aber bitte die Rettung gerufen werden“, so Christian Gaiseder. „Derzeit leben derzeit etwa 50 Personen in Linz auf der Straße. Es gibt auch Menschen, die Betreuungsangebote nicht annehmen können oder wollen.“

Eine medizinische Basisversorgung für Obdachlose gibt es beim Help-Mobil montags und freitags zwischen 17 und 18 Uhr hinter dem Haus Baumbachstraße 3. Das Help-Mobil ist ein gemeinsames Angebot der Caritas für Menschen in Not, des Arbeitersamariterbundes OÖ, der Kongregation der Barmherzigen Schwestern Linz, des Lazarus-Ordens Hilfsdienst Oberösterreich und des Roten Kreuzes Linz.

Im „Krankenzimmer“ der Caritas werden obdachlose Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt betreut. „Als Caritas haben wir in Linz auch betreute Wohneinrichtungen auf Zeit für Menschen in Wohnungsnot. Allerdings steht hier nur eine begrenzte Anzahl von Wohnplätzen zur Verfügung. Im Haus für Mutter und Kind als auch im Krisenwohnen ist die Anzahl der täglichen Anfragen auf einen Wohnplatz im Laufe dieses Jahres um ein Vielfaches angewachsen. Wir nehmen hier eine Entwicklung wahr, die uns sehr besorgt macht. Und die psychischen Belastungen werden für Menschen in Notsituationen rund um Weihnachten noch verschärft – denn dann wird ihnen die breite Kluft zwischen dem, was Geborgenheit ist und ihrer eigenen Realität, schmerzlich bewusst“, weiß Mag.a Marion Huber, Geschäftsführerin der Caritas für Menschen in Not.

Die Einrichtungen für Wohnungslose in Linz werden teilweise durch das Land Oberösterreich und die Stadt Linz finanziert. Ein Teil der Angebote wird aus Spenden finanziert.