Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Caritas zu Bosnien-Herzegowina: Flüchtlingsdrama vor der Haustür

30.12.20

Drei Autostunden von Österreich entfernt müssen geflüchtete Menschen obdachlos im Schnee übernachten, können ihren Wohnraum nicht beheizen oder haben nicht genug zu essen. Die Caritas bittet dringend um Spenden.

Es ist bereits der dritte Winter, in dem sich die Situation in Bosnien-Herzegowina dramatisch zuspitzt. Menschen, eingehüllt in dünne Baumwolldecken, ohne Winterjacke und barfuß in Sandalen im Schnee und bei eisigen Temperaturen: Bilder wie diese gingen in den vergangenen Tagen erneut um die Welt. Sie zeigen Geflüchtete, die in Bosnien-Herzegowina gestrandet sind, einem Land, in dem ein Fünftel der Bevölkerung selbst in Armut lebt.

„Zu Weihnachten wurden hunderte Menschen in die Obdachlosigkeit und damit sich selbst überlassen. Unser Land ist mit der Situation überfordert. Aber was es jetzt akut braucht, ist Soforthilfe für Menschen, die zu wenig haben, um unbeschadet durch die nächsten Tage und den Winter zu kommen“, appelliert Miljenko Aničić. Der langjährige Direktor der Caritas Banja Luka weiß um die existenziell bedrohliche Lage für mehr als 650.000 Menschen im Balkanstaat, der an Kroatien grenzt und damit an die EU.

Andreas Knapp, Auslandshilfe-Generalsekretär der Caritas Österreich zeigt sich besorgt: „Wir erleben alles andere als eine Sternstunde der Europäischen Union. Kleine Kinder, die auf Samos von Ratten gebissen werden. Familien, die auf Lesbos im Dreck leben müssen. Menschen die in den Wäldern Bosniens der Kältetod droht. Die Situation ist dramatisch und die internationale Staatengemeinschaft sowie die EU sind hier gefordert, denn es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass hier Menschen unversorgt bleiben. Rasche Hilfe ist jetzt erforderlich, denn sonst drohen Menschen zu erfrieren.“

Geflüchtet, sesshaft, hilfesuchend

„Was es jetzt braucht, ist Soforthilfe für Menschen, die zu wenig haben, um unbeschadet durch den Winter zu kommen“, appelliert Miljenko Aničić. Der langjährige Direktor der Caritas Banja Luka weiß um die existentiell bedrohliche Lage für die tausenden geflüchteten Menschen in Bosnien. Mehr als 65.000 Menschen auf der Flucht sollen seit September 2018 nach Bosnien-Herzegowina gekommen sein, doch die staatlich kontrollierten Aufnahmezentren bieten lediglich 6.500 von ihnen Platz, viele dürften die lebensgefährliche Flucht in andere Länder geschafft haben oder sind nach Serbien zurückgekehrt.

Flüchtlingsdrama vor der Haustür

Allein in Una Sana, dem nordwestlichsten Kanton des Landes, der kaum drei Autostunden von Österreich entfernt ist, sollen sich aktuell ca. 6.000 Geflüchtete aus Pakistan, Afghanistan, Syrien und anderen Krisengebieten aufhalten. Dass hunderte von ihnen kein Dach über dem Kopf haben, in Wäldern leben und selbst bei Schnee im Freien übernachten müssen, ist beschämend. „Vor 25 Jahren nahm ganz Europa Kriegsflüchtlinge aus dem zerfallenden Jugoslawien auf. Umgekehrt schafft man es bei uns nicht, einigen hunderten Geflüchteten eine Unterkunft zu bieten“, kritisiert Miljenko Aničić und spielt auf die Auflösung des Flüchtlingslagers „Bira“ an. Bis vor kurzem hatten dort 2.000 Menschen Zuflucht gefunden, in einer Halle am Rande der 60.000-Einwohner*innen-Stadt Bihać, und damit im Herzen des Kantons Una Sana. „Wenn jemand Schutz braucht, Essen oder Kleidung, dann soll man nicht erst fragen, woher der oder die Hilfesuchende kommt, welche Religion er oder sie hat oder welchen Reisepass“, so der Caritas-Direktor von Banja Luka. „Wer Hilfe braucht, muss sie bekommen können.“

So hilft die Caritas

Aktuell werden Notverteilungen von der Caritas organisiert. Wer keinen Platz in den Aufnahmezentren findet und bei Schnee und eisig kaltem Wind im Freien übernachten muss, erhält warme Bekleidung, Winterschuhe und einen Schlafsack, der vor Kälte schützt. Für Menschen auf der Flucht hat die Caritas Banja Luka ein Wäsche-Service in einer Wäscherei eingerichtet und versorgt die Geflüchteten auch in den umliegenden Flüchtlingslagern mit sauberer Bettwäsche und mit Bekleidung.

Seit fast 30 Jahren unterstützt die Caritas Menschen in Bosnien-Herzegowina. Caritas Linz und Caritas Graz setzen vor Ort Pflegeprojekte für ältere und für an Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige um. Für Jugendliche und junge Erwachsene hat die österreichische Caritas ein Beschäftigungsprojekt ins Leben gerufen. Für bosnische Kinder aus sozial benachteiligten Familien gibt es Kindertagesstätten, außerdem seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie Unterstützung beim Distance Learning sowie Essens- und Hygiene-Pakete. Besonders im Winter wird bedürftigen Familien mit Brennholz und mit Lebensmittelgutscheinen geholfen.

„Dank einer großen Hilfsbereitschaft in Österreich konnten in den letzten Tagen bereits mehrere hundert Schlafsäcke, warme Kleidung und Winterschuhe verteilt werden. Über eine spontane Spendenaktion auf Facebook wurden bereits über 100.000 Euro für die Caritas Nothilfe am Balkan gespendet. Weitere Spenden werden dringend benötigt. Jede Spende hilft und wärmt und kann in der aktuellen Situation Leben retten“, so Knapp.

Bitte helfen auch Sie!

  • 60 Euro = 1 Winterpaket mit Lebensmitteln und Brennholz
  • 40 Euro = 1 warme Winterjacke
  • 30 Euro = Winterschuhe 
  • 15 Euro = 1 Schlafsack
  • 10 Euro = 1 Decke
  • 2 Euro = 1 Paar Socken


Weitere Informationen zur Lage vor Ort finden Sie unter: www.caritas.at/balkan

 

Caritas OÖ-Spendenkonto

Raiffeisenlandesbank
IBAN: AT203400000001245000, BIC: RZOOAT2L

Kennwort: Menschen auf der Flucht

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