Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Für unsere Zukunft Eltern und Kinder stärken

01.06.21

Kommentar von Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas Oberösterreich

Um Müttern und Vätern Respekt und Wertschätzung auszusprechen, wurde von den Vereinten Nationen der Weltelterntag ins Leben gerufen, der jährlich am 1. Juni gefeiert wird. Gerade jetzt, in Zeiten der Pandemie, hat dieser Tag besondere Bedeutung. Denn es ist gar nicht in Worte zu fassen, wie viel Dank und Wertschätzung Eltern, aufgrund der Mehrfachbelastungen mit dem Management von Homeschooling und ausgefallenen bzw. eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten, verdienen. Der Wegfall des Schulalltags, die Umstellung auf die Betreuung und das Lernen zuhause hat Kinder wie Eltern extrem gefordert und teils überfordert. Besonders hart war es für Familien, die auch schon vor der Pandemie mit schwierigen Situationen zu kämpfen hatten. So zum Beispiel Familien mit Kindern mit Beeinträchtigungen wie ADHS oder Autismus. Gerade diese Kinder brauchen sehr klare Strukturen. Nun wieder in die Schule zu wechseln, ist für sie sehr schwierig, sie müssen oft mühsam soziale Kompetenzen wieder neu erlernen. Dies vermehrt wiederrum die Sorgen der Eltern um die Zukunft ihrer Kinder, die es ohnehin schon schwer hatten, die Schule erfolgreich zu meistern.

Dank und Anerkennung sind das eine, aber was es noch mehr und vor allem sehr dringend braucht sind spezielle Unterstützungs- und Entlastungsangebote für Familien. Ansätze dafür gibt es im Innviertel und bei der Caritas in St. Isidor/Leonding, wo vor einigen Jahren gemeinsam mit Land OÖ und Österr. Gesundheitskasse ein großartiges Unterstützungsangebot mit den Kinder- und Jugendkompetenzzentren (KIJUK) geschaffen wurde. Sie bieten Beratung und verschiedene Therapien für Kinder mit psychosozialen Beeinträchtigungen und für ihre Eltern „aus einer Hand“. Doch diese zwei Zentren sind, nicht zuletzt aufgrund gestiegener Belastungen in der Corona-Zeit, viel zu wenig. Aufgrund der langen Wartelisten wäre ein Ausbau der KIJUK-Zentren enorm wichtig. Sehr wirksam wären auch mehr Entlastungsangebote, z.B. zusätzliche Kurzzeitwohnplätze, wo Eltern jüngere wie bereits erwachsene Kinder mit Beeinträchtigungen für eine Zeitlang gut betreut wissen, sich erholen und Kraft tanken können.      

Ein weiteres wichtiges Angebot zur Entlastung und Unterstützung ist auch die Familienhilfe, die in schwierigen Situationen ins Haus kommt. Die Familien leisten sozial gestaffelte Eigenbeiträge zu diesem öffentlich finanzierten Angebot. In Zeiten von Überlastung und Überforderung von Eltern – nicht nur jetzt in der Corona-Zeit, ist das eine extrem wichtige Hilfe, damit Familiensysteme kritische Phasen bewältigen können.

Eltern wie Kinder zu stärken, ist eine zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft. Und besonders in Krisenzeiten wie jetzt braucht es größtes Augenmerk darauf. Denn aus den Familien erwächst unser aller Zukunft.