Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Frau und wohnungslos

13.11.07

Wohnungslose Frauen haben andere Probleme und Bedürfnisse als Männer.

„Der Grund, dass Wohungslosigkeit von Frauen in unserer Gesellschaft zu wenig wahrgenommen wird, liegt auch darin, dass das Problem kaum sichtbar ist: Die typische Erscheinungsweise von Wohnungslosigkeit bei Frauen ist die verdeckte Wohnungslosigkeit“, so Mathias Mühlberger, Direktor der Caritas in Oberösterreich.Gerade Frauen versuchen aus Scham, solange wie möglich ihre Notlage zu verbergen und ohne institutionelle Hilfe auszukommen. Die Angst, tatsächlich auf der Straße zu landen, ist groß.“ Viele Frauen versuchen daher, noch irgendwo bei Bekannten oder Freunden unterzukommen oder gehen „Zweckpartnerschaften“ ein.  Oftmals schlittern sie dadurch in neue Abhängigkeiten. Dazu kommt, dass die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe von Männern dominiert und Frauen auf der Straße verstärkt Gewalt ausgeliefert sind. Daher beträgt der Frauenanteil in Tageszentren für wohnungslose Frauen und Männer generell nur rund 16%. Grundsätzlich verfügt die Wohnungslosenhilfe in Oberösterreich über ein gut ausgebautes Netz, jedoch sind beinahe alle Einrichtungen gemischtgeschlechtlich.

Problem Wohnungslosigkeit von Frauen wird in der Caritas-Arbeit sichtbar
„In unserer Arbeit als Caritas wird das Problem dennoch sichtbar, und die Tendenz ist steigend“, berichtet Mühlberger. So wandten sich im vergangenen Jahr 242 Frauen an eine der Caritas-Beratungsstellen für Menschen in Not in Oberösterreich, weil sie von Wohnungslosigkeit bedroht oder bereits unmittelbar davon betroffen waren. 2007 waren es bis September bereits 280 Frauen. Auch in das Caritas-Tageszentrum für Wohnungslose, die „Wärmestube“ in Linz, kommen Frauen. „Allerdings machen wir hier auch die Erfahrung, dass manche Frauen dieses Angebot nicht und nur begrenzt wahrnehmen, weil sie die Dominanz der Männer scheuen“, so Mühlberger.

FRIDA schafft Raum für Frauen
„Als Caritas sehen wir unsere Aufgabe darin, Bedürfnisse und Nöte ganz bewusst wahrzunehmen und nach Möglichkeit darauf Antworten zu geben.
Der Start des Projektes FRIDA vor einem Jahr war eine solche Antwort“, erklärt Mühlberger. „FRIDA“, das ist „Frauen – Raum – Initiative – Dasein – Austausch“, die erste Tageseinrichtung für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen in Linz. Von Mittwoch bis Samstag stehen die Räume der Caritas-Wärmestube zwischen 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr ausschließlich Frauen offen. „FRIDA“ ist in erster Linie ein Regenerations- und Rückzugsort. Angeboten werden neben einem Frühstück und der Möglichkeit zum Austausch auch Information, Beratung und Weitervermittlung sowie Begleitung in Krisensituationen.

FRIDA wurde bisher sehr gut angenommen und wird täglich von bis zu 10 Frauen besucht. Insgesamt haben 43 verschiedene Frauen bisher das Angebot wahrgenommen. „Die Zielgruppe, die Frida besucht, hat häufig Erfahrungen mit männlicher Dominanz und Gewalt. FRIDA bietet gerade jenen Frauen einen Ort des Rückzuges und des Schutzes“, erklärt Mag. Bettina Börner, Sozialarbeiterin im Projekt FRIDA.

„Wir helfen dabei, dass die Frauen wieder mehr zu sich selbst und zu ihren Stärken finden.  Der Austausch untereinander schafft Solidarität und gegenseitige Hilfe“, so Börner. „Zum Beispiel haben sich zwei BesucherInnen beim Schreiben von Bewerbungen unterstützt und konnten in der Folge auch bei einer Firma probearbeiten. Das mag als kleine Schritte erscheinen, für die Betroffenen bedeutet es sehr große Fortschritte.“ In Interviews, die im Rahmen der Evaluierung des Projektes gemacht wurden, führen die Frauen an, welche Veränderungen FRIDA für sie und ihr Leben gebracht hat. Von vielen wurde angesprochen, dass das Angebot für sie „Stressabbau“ bedeutet, sowie eine allgemeine Verbesserung in psychischer und physischer Hinsicht. Eine Frau gab an: „Es geht mir einfach besser, seit ich bei FRIDA bin.“

Elisabethsammlung für Menschen in Not in Oberösterreich
„Um Projekte wie FRIDA für Menschen in Not in Oberösterreich realisieren zu können, brauchen wir die Unterstützung von Menschen, die ebenfalls nicht wegschauen, wenn jemand Hilfe braucht. In unserer Gesellschaft fehlt es oft an „Spürsinn“ für die Probleme und Nöte der anderen“, so Mühlberger.

Mit der „Elisabethsammlung“ im November ruft die Caritas dazu auf, Menschen in Not in unserem Land nicht im Stich zu lassen. Mit den Spenden aus der Elisabethsammlung hilft die Caritas in verschiedenen Projekten und Einrichtungen Menschen in Oberösterreich, der Armutsspirale zu entkommen. Zum Beispiel im Haus für Mutter und Kind, wo AlleinerzieherInnen zu einer tragfähigen Zukunft für sich und ihr Kind finden können. Oder in den Caritas-Beratungsstellen, wo Menschen Hilfestellung erhalten, um wieder neue Lebensperspektiven zu gewinnen.


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Oder:

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Kennwort: Elisabethsammlung