Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Reform zur bedingten Haftentlassung erfordert mehr betreute Wohnplätze

Gemeinsam mit Caritasdirektor Mathias Mühlberger besuchte heute Bischof Dr. Ludwig Schwarz die Caritas-Wohngemeinschaft für Haftentlassene (WEGE) in Wels. Er informierte sich im Gespräch mit MitarbeiterInnen und BewohnerInnen über die Arbeit der WEGE, die strafentlassenen Menschen „Wege“ aus der Kriminalität eröffnet.

„Der Vorstoß von Justizministerin Maria Berger, Maßnahmen der Resozialisierung Vorrang gegenüber längeren Haftstrafen zu geben, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Caritasdirektor Mühlberger anlässlich des Besuches. In dem von Berger vorgelegten Reformpaket zur bedingten Haftentlassung ist vorgesehen, in bestimmten Fällen Straftäter früher, aber betreut zu entlassen. „Diese Regelung hätte für alle Seiten Vorteile“, ist Mühlberger überzeugt: „Die Haftentlassenen sind nach der Entlassung nicht auf sich alleine gestellt und dadurch weitaus weniger gefährdet, erneut in kriminelle Kreise zu geraten und rückfällig zu werden. Die Bevölkerung wird besser geschützt, wenn die Entlassenen betreut werden und für die Zeit der Bewährung – sie ist länger als die Haftzeit - unter Kontrolle bleiben.“ Insgesamt komme ein solches System der Resozialisierung der Gesellschaft auch billiger, da Betreuungseinrichtungen kostengünstiger als die Inhaftierung seien.

„Dafür sind jedoch mehr betreute Wohnplätze für Haftentlassene - so wie in der Caritas-Wohngemeinschaft – notwendig“, erklärt Mühlberger, „und die Kosten der Einrichtungen müssen von der öffentlichen Hand in größerem Ausmaß als bisher mitgetragen werden.“ Die Caritas-Wohngemeinschaft WEGE ist bislang überwiegend auf Spenden und die Mithilfe von Ehrenamtlichen angewiesen.

Derzeit werden 17 Haftentlassene von der WEGE betreut, fünf davon in externen Wohnungen. Die 12 Personen in der Wohngemeinschaft werden rund um die Uhr betreut. Schritt für Schritt arbeiten die BetreuerInnen soziale und psychische Probleme mit den Bewohnern auf, geben Ihnen Hilfestellung, ihr Leben neu zu ordnen und wieder selbstständig Fuß fassen zu können. Mit Unterstützung der WEGE finden die BewohnerInnen wieder eine Arbeitsstelle und eine Wohnmöglichkeit.