Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Ein Jahr nach dem EU-Beitritt: Die soziale Lage in Rumänien

25.01.08

Mathias Mühlberger, Direktor der Caritas in Oberösterreich und Dr. Andras Marton, Direktor der Caritas der Diözese Alba lulia informierten in einer Pressekonferenz über die sozialen Rahmenbedingungen für die Arbeit der Caritas in Rumänien – aus Anlass des Starts der Caritas-Osteuropasammlung im Februar.

Nach der politischen Wende vor 18 Jahren hat das Engagement der Caritas Oberösterreich in Rumänien begonnen, die Caritas Alba Iulia war die erste Partnerorganisation der oö. Auslandshilfe. Mit tatkräftiger Unterstützung aus Oberösterreich konnte seither eine starke Caritasorganisation ausgebaut werden. Dennoch gibt es in Rumäniens Sozialwesen noch vieles zu tun, so Direktor Andras Marton in seiner Bestandsaufnahme: „Die soziale Lage der Mehrheit der Bevölkerung in Rumänien ist derzeit nach wie vor besorgniserregend.“

Eine positive Veränderung ist, dass zum Beispiel die Löhne im Lauf des vergangenen Jahres ein wenig gestiegen sind. Das Durchschnittseinkommen betrug im Oktober 2007 EUR 290 monatlich im Vergleich zu EUR 230 ein Jahr vor dem EU-Beitritt. Die Lebenserhaltungskosten sind jedoch gleichzeitig stark angestiegen -  so kosten z.B. zwei Drittel der Lebensmittel mehr als im EU-Durchschnitt. In der Stadt machen oft nur die Energiekosten einer Wohnung bereits die Häfte des Einkommens aus. 

Vor allem die ländliche Bevölkerung – und das sind 45% aller RumänInnen – ist von Armut betroffen. 40% der Menschen am Land leben unter der Armutsgrenze – ihr Einkommen reicht nicht aus, um z.B. Heizmittel zu bezahlen. PensionistInnen, die in der Landwirtschaft beschäftigt waren, müssen etwa mit 40 Euro pro Monat auskommen. Die Menschen haben aus der Not verschiedene Überlebensstrategien entwickelt und leben zumeist von den Produkten aus dem eigenen Garten.

Kinder in Rumänien
„Vor allem die Situation von Kindern in Rumänien ist in manchen Teilen nach wie vor erschreckend“, so Marton. Rumänien ist in der EU das Land mit der höchsten Kindersterblichkeit, auf 1000 Geburten kommen 19 Kleinkinder, die in den ersten fünf Lebensjahren sterben, verglichen mit 5 in Österreich. Auch das Thema Straßenkinder ist nach wie vor aktuell: Laut Schätzungen – offizielle Zahlen gibt es keine - leben in der rumänischen Hauptstadt Bukarest über 1.000 Kinder auf der Straße. Insgesamt wird die Zahl der Straßenkinder in Rumänien auf 2.000 bis 9.000 geschätzt.

Positiv zu vermerken ist aber, dass die öffentliche Finanzierung der Projekte der Caritas Alba lulia zunimmt und Rumänien jetzt reif für einen Aufbau eines modernen sozialen Versorgungssystems ist.
„Die Entwicklung der Caritas in Rumänien ist auf jeden Fall als „Erfolgsgeschichte“ zu betrachten“, sagt Mathias Mühlberger, denn ausgehend von der  Caritas Alba lulia ist die Caritas in Rumänien inzwischen eine der größten Sozialorganisationen im Land. Außerdem wird sie als Partner und Mitgestalter des Sozialwesens anerkannt und geschätzt. „Dank der Mithilfe öffentlicher Fördergeber und vieler privater SpenderInnen in Oberösterreich ist es gelungen, effektive und nachhaltige Projekte zu verwirklichen“, so Mühlberger. Nach dem Vorbild Rumäniens wird die Caritas Oberösterreich auch in anderen osteuropäischen Ländern Aufbauarbeit leisten.

Osteuropasammlung 2008: „Kälte ist kein Kinderspiel“
Bei der Osteuropasammlung 2008 soll vor allem auf das Schicksal von Kindern in den ärmsten Ländern Europas aufmerksam gemacht werden. Jedes vierte Kind in Südosteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion lebt in extremer Armut. Die Kälte im Winter ist für die Kinder oft lebensbedrohend – weil sie auf der Straße leben müssen oder Zuhause kein Geld für Heizmittel da ist.

„Unter dem Motto ,Kälte ist kein Kinderspiel’ bitten wir daher um die Mithilfe aller OberösterreicherInnen mit einer Spende bei der Osteuropasammlung“, so Mühlberger. Es soll dafür gesorgt werden, Kindern in den ärmsten Ländern Europas warmes Essen, warme Bekleidung, Heizmittel und ein Dach über dem Kopf zu geben. Und darüber hinaus natürlich auch echte Chancen für ihre Zukunft – damit für sie Armut kein Schicksal bleibt.

„Die ärmsten Länder im Osten Europas sind uns geografisch sehr nahe, wir müssen uns endlich auch menschlich näher rücken und gemeinsam gegen Not und Elend ankämpfen“, betont Caritasdirektor Mühlberger.

Spendenkonto:
RLB 1.245.000, BLZ 34.000 oder
PSK 7.700 004, BLZ 60.000
Kennwort: Osteuropa-Hilfe

Wiener Städtische und Erste Bank helfen mit
Die Caritas freut sich, dass die Osteuropasammlung auch heuer mit sehr geringen Kosten auskommt. Die Kooperation mit Erste Bank und Wiener Städtische hilft, die Produktionskosten zu decken. ORF, Plakatwirtschaft und Printmedien, private Hörfunk- und Fernsehsender stellen Werbung zum Nulltarif zur Verfügung.