Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Kinder stark fürs Leben machen

Von 18. bis 20. Februar 2008 fand die Fachtagung für KindergartenpädagogInnen der Caritas für Kinder und Jugendliche in Linz statt. Rund 1000 TeilnehmerInnen besuchten Workshops und Vorträge verschiedenster Referenten.

Prof.in Dr.in Eva Schumacher, eine der HauptreferentInnen ist Professorin für Grundschulpädagogik and der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch-Gmünd. Sie besitzt das Montessori Diplom und ihre Arbeitsschwerpunkte sind vor allem im reformpädagogischen Bereich angesiedelt. Sie beantwortete Fragen zur zunehmenden Vielfalt in der Gesellschaft und wie Kinder gezielt in ihrer Pluralität gefördert werden können.

Sie haben in ihrem Vortrag von subjektorientiertem Lernen gesprochen, was meinen sie damit?
KindergartenpädagogInnen sollten subjektorientiert, das heißt am Kind als Individuum orientiert, erzieherisch arbeiten und Bildungsarbeit leisten. Kindern auf gleicher Augenhöhe begegnen, also mit dem gleichen Respekt, mit dem man auf Erwachsene zugeht. Kinder können weitaus mehr leisten als wir Erwachsenen wahrnehmen. Kinder sind zu sehr viel fähig wenn sie motiviert und neugierig gemacht werden.

Sie haben auch von natürlichen Kompetenzen und Gaben gesprochen, was kann man sich darunter vorstellen?
Ich war vor kurzem in Singapur und habe dort bei einer einheimischen Familie gewohnt. Der Junge der Familie wies sprachliche Defizite auf, obwohl er seit mehr als 2 Jahren die deutsche Vorschule besucht. In der Familie wird nur Englisch gesprochen, das zeigt, dass die Familie den größten Einfluss auf das Kind hat. Im Gegensatz dazu hat der Junge handwerkliche Begabungen. Er baute das von mir mitgebrachte Lego-Flugzeug in Windeseile zusammen, obwohl es laut Anleitung noch zu schwierig für ihn war. Das ist eine natürliche Kompetenz, die das Kind offenbar mitbringt. Man kann daraus natürlich nicht folgern, dass man nur diese Kompetenz fördert und die Sprache nicht, aber stellen Sie sich vor, was man an dem Kind verbricht, wenn wir dazu übergingen, das Kind im Sprachbereich zu drillen und diese andere Gabe vernachlässigten.

Ist es nicht schwierig, Kinder, die aus unterschiedlichsten Situationen kommen, individuell zu fördern?
Das ist ein Argument, das immer kommt. Vieles was wir für unmöglich halten, funktioniert dann, wenn wir im Alltag geeignete Instrumente einsetzen, beispielsweise kann ich nicht allen Kindern jeden Tag gleich gerecht werden. Aber ich habe die Möglichkeit, mir pro Woche oder pro Tag 2 bis 3 Kinder herauszunehmen und die Kinder individuell zu fördern. Da ist natürlich auch die Ausbildung der PädagogInnen gefragt und hier muss noch viel umstrukturiert werden.

Läuft man bei dieser Individualisierung nicht Gefahr, die Kinder zu Einzelkämpfern und Egoisten zu erziehen?
Ich spreche mich grundsätzlich gegen Polarisierungen aus, sie führen uns nicht weiter. Wir haben noch viel zu tun in der Förderung des einzelnen Individuums, bevor wir Gefahr laufen, dass das einzelne Kind zu ich-orientiert wird. Die Gemeinschaft ist genauso bedeutungsvoll wie das einzelne Kind, ein guter Mittelweg muss gefunden und gefördert werden.
Es ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, heute mehr denn je ethisch verantwortungsvoll zu handeln und darum muss man die Individualität der Kinder achten und die Kinder stark fürs Leben machen.