Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Caritas zur Lebensmittelkrise

16.04.08

Caritas-Präsident Franz Küberl ist über die drastischen Preissteigerungen bei Lebensmitteln und die durch Hunger ausgelösten Unruhen "entsetzt". "Meine Sorge ist, dass die reichen Länder nicht die Verantwortung für die furchtbare Not spüren", sagte er im Gespräch mit der APA. "Nicht helfen wäre zynisch."

Die Caritas fordert von den reichen Ländern rasche Lebensmittelhilfe für all jene, die sich Essen nun nicht mehr leisten können.
Das Welternährungsprogramm benötige mindestens 500 Millionen US-Dollar (316 Mio. Euro). Die Länder müssten daher ihre Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) auf 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts (BNP) erhöhen. Derzeit gingen die EZA-Mittel auch in Österreich zurück. "Man wird mehr Geld in die Hand nehmen müssen", sagte Küberl. Das sei eine Art "Friedensdividende", verwies der Caritas-Präsident auf mögliche Folgen der derzeitigen Krise wie Migration und einem Ansteigen von Gewalt.

Außerdem forderte Küberl die österreichische Bundesregierung zu einer "Nachdenkpause" im Bereich Biotreibstoffe auf. Die Mais-Krise in Mexiko etwa zeige, wie der Biosprit-Boom zu einer massiven Konkurrenz zwischen Treibstoff und Lebensmittel geführt habe. Es sei notwendig, alle Kollateralschäden zu prüfen. "Lieber langsamer fahren und alle haben zu essen", sagte Küberl.

Die Lage ist derzeit mehr als dramatisch. Laut Schätzungen des UNO-Welternährungsprogramm (WFP) sind die weltweiten Lebensmittelpreise seit Mitte 2007 durchschnittlich um 40 Prozent gestiegen. Reis ist 2008 um 75 Prozent teurer als vor einem Jahr. Der Weizenpreis hat sich seit Mai 2007 sogar verdoppelt. Hohe Steigerungen gibt es auch bei Mais, Soja, Fleisch und Milch.

"Die Nahrungsmittelkrise ist ein Armutsproblem, weil die Teuerungen gerade jene am härtesten treffen, die ohnehin bereits am Limit lebten", betonte Küberl. 2,8 Milliarden Menschen müssten mit weniger als 2 Dollar (1,263 Euro) pro Tag auskommen. Diese Menschen müssten wesentlich mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Nahrung ausgeben. Die Krise sei damit auch eine ernste Bedrohung für die Erreichung der Millenniumsziele, die eine Halbierung der Armut bis 2015 vorsehen.

Die Krise bringt zudem die Hilfsorganisationen in eine Zwickmühle: Durch die Preissteigerungen brauchen mehr Menschen Hilfe und gleichzeitig können die Hilfsorganisationen ums gleiche Geld weniger helfen. Die Caritas versucht einen Beitrag zu leisten. In Simbabwe versorgt sie rund 100.000 Menschen mit Getreide, auch in Kenia sind es viele tausende Menschen. In den Flüchtlingslagern von Darfur und Tschad müssen Hunderttausende Menschen ernährt werden. In Burkina Faso und Mali hilft die Caritas den Bauern bei der Bewirtschaftung von Grund und Boden sowie bei der Errichtung von Getreidespeichern.

Die Getreidevorräte weltweit seien reduziert worden. "Gäbe es genug Vorräte, gebe es keinen Hunger", so Küberl. Benötigt würden ebenso viele Getreide- wie Erdölspeicher. Küberl verlangt: "Armutsbekämpfung muss absolute Priorität haben." Nicht der freie Welthandel, sondern dass sich alle Menschen ausreichend ernähren können, müsse das oberste Ziel sein.
(Quelle: APA)

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