Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Wirbelsturm Burma: Österreichische Caritas-Helfer vor Ort

19.05.08

„Die Menschen sind schwerst traumatisiert“, sagen die beiden österreichischen Caritas-Helfer, die vor kurzem in Myanmar (Burma) eingetroffen sind, um die lokalen Partner bei der Koordinationen der Hilfsmaßnahmen für die Opfer des Wirbelsturms Nargis zu unterstützen. Doch erst später können sich die HelferInnen auch um psychologische Betreuung kümmern. Zunächst geht es darum, das Überleben zu sichern: Zehntausende Menschen versorgen die Caritas-Partnerorganisationen derzeit mit Essen, Wasser und Hygieneartikeln.  Damit die Waisenkinder nicht Kinderhändlern zum Opfer fallen, werden sie speziell betreut.  In der Stadt Pathein wird ein Kindergarten eingerichtet. „Die Verkehrswege sind nach wie vor großteils blockiert. Über den Wasserweg sind Transporte möglich. Unserer Caritas-Partnerorganisation stehen insgesamt zehn Boote zur Verfügung.  Es dauert aber mehrere Stunden, von den zentralen Orten des Krisengebietes in entlegene Gebiete zu kommen“ berichten die österreichischen Helfer. (Aus Sicherheitsgründen werden die Namen der Helfer und der Partner-Organisationen derzeit nicht genannt.)

Die Lage in Rangun kann zwar noch nicht als "normalisiert" bezeichnet werden, dennoch funktioniert das städtische Leben im Großen und Ganzen wieder. Nahezu jedes Haus ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Es gibt kaum Häuser, die keine Schäden aufweisen. Die meisten Dächer sind aber bereits notdürftig repariert. Strom ist mittlerweile in den meisten Stadtteilen verfügbar. Zahlreiche Bäume liegen entwurzelt am Straßenrand. Die Straßen sind mittlerweile weitgehend befahrbar. Der Blick aus dem Hotel lässt ahnen, mit welcher Gewalt der Zyklon Nargis wütete. Etwa jeder zweite Baum ist umgefallen, die restlichen Bäume wurden großteils entlaubt.

Aus der am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Region des Irrawaddy-Deltas dringen weit dramatischere Meldungen zu unseren Projektpartnern. Die Hilfe ist zwar schon angelaufen, doch kann diese nur einen kleinen Teil des Notwendigen abdecken. Eine unserer Partnerorganisationen ist mit ihren etwa dreißig Mitarbeitern, und über sechzig freiwilligen Helfern an fünf Orten aktiv. Insgesamt sechzig Tausend Menschen konnten sie bereits erreichen. Jüngsten Schätzungen zufolge sind etwa zweieinhalb Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen.

Es wurden Flüchtlings-Camps (in Kirchen und größeren Gebäuden) errichtet. Allein in der Stadt Myaungmya suchten geschätzte vierzigtausend Flüchtlinge in mehr als dreißig Camps Zuflucht. Täglich werden es mehr. In manchen Städten mussten ankommende Flüchtlinge weitergeschickt werden. Die Größe der Camps variiert zwischen einigen hundert Personen bis zu drei Tausend. Diese werden mit dem Notwendigsten versorgt. Das ist: Sauberes Trinkwasser, Nahrung (Reis und Bohnen) und einfachste medizinische Grundversorgung. Hygienische Einrichtungen fehlen weitgehend. Es wurde bereits von häufigen Durchfallerkrankungen berichtet.  Der Ausbruch  einer Cholera-Epidemie wird befürchtet, bis jetzt sind aber noch keine Fälle bekannt.

Eine besondere Herausforderung ist die Betreuung von Waisenkindern.  Kleinkinder müssen mit Trockenmilch versorgt werden. Hier gilt es besonders auf sauberes Trinkwasser zu achten. Waisenkinder sind aber auch besonders gefährdet, Kinderhändlern in die Hände zu fallen. Die Caritas-Partner kümmern sich zusätzlich zur Verteilung von Essen, Wasser und Hygieneartikeln nun auch um die Betreuung von Waisenkindern. In der Stadt Pathein ist ein Kindergarten zu etablieren. Es wurde bereits ein Gebäude angemietet, insgesamt sechs PädagogInnen stehen zur Verfügung. Da die Zahl der bedürftigen Kinder viel zu hoch für diese sechs BetreuerInnen ist, werden sich ältere Kinder um die jüngeren kümmern. Es fehlen noch einfachste Mittel, wie Zeichenmaterial, Springschnüre, Flip-Charts, Schulmaterialien.

Nahrungsmittel sind in der Region erhältlich. Das Problem liegt vorwiegend in der schwierigen Verteilung. Die Verkehrswege sind nach wie vor großteils blockiert. Über den Wasserweg sind Transporte möglich. Unserer Caritas-Partnerorganisation stehen insgesamt zehn Boote zur Verfügung (eines war vorher da, eines wurde angekauft, acht weitere ausgeliehen).  Es dauert aber mehrere Stunden, von den zentralen Orten des Krisengebietes in entlegene Gebiete zu kommen.

Helfer berichten von traumatisierten Menschen, wie zum Beispiel von einem unansprechbaren Mann, der sein totes Kind in den Armen getragen hatte und dabei lautstark beklagte, dass er dieses nie mehr zurückbekommen würde. Die lokalen Helfer sind seit mehr als zehn Tagen im Dauereinsatz und ertragen diese schwierige Situation nur mit der Perspektive, vielen weiteren Menschen das Leben retten zu können.  Derzeit haben wir mit der Bekämpfung von Hunger und Durst noch alle Hände voll zu tun. Aber wenn das Überleben gesichert ist, müssen die Menschen auch psychologische Hilfe erhalten.

Spendenkonto:
PSK 7.700.004, BLZ 60.000. Kennwort: Myanmar/Burma
RLB 1.245.000, BLZ 34.000 Kennwort: Myanmar/Burma

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