Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Fahrschule Barrierefrei startet durch

Bisher war der Weg zum Führerschein für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder Lernschwächen zumeist mit vielen Hindernissen gepflastert und mündete nicht selten in eine Sackgasse. In der Caritas für Menschen mit Behinderungen wurde daher in St. Isidor nun eine ganz besondere Fahrschule ins Leben gerufen: die „Fahrschule barrierefrei".

 

 

 

Einzigartig in Österreich
Die Fahrschule barrierefrei ist ein Angebot für FührerscheinwerberInnen, die besondere Unterstützung beim Lernen oder ein speziell adaptiertes Fahrzeug brauchen. So können die Hürden auf dem Weg zu mehr Mobilität und Selbständigkeit überwunden werden.  Als erste Fahrschule in Österreich kann „Barrierefrei“ durch spezielle Lernmethoden Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen mit Lernschwächen beim Erlangen der Fahrlizenz unterstützen.

„Für Menschen mit Beeinträchtigungen bedeutet der Besitz des Führerscheins quasi ,freie Fahrt’ für die Integration in das gesellschaftliche Leben“, so Mathias Mühlberger, Direktor der Caritas in Oberösterreich. „Die damit verbundene größere Mobilität und Selbständigkeit eröffnet ihnen bessere Teilhabechancen in vielen gesellschaftlichen Bereichen - in der Arbeitswelt ebenso wie im privaten Umfeld. Und nicht zuletzt bedeutet der Führerschein auch einen Gewinn an Selbstwertgefühl für Menschen, die oft mit Ausgrenzungserfahrungen konfrontiert sind.“

Spezielle Lernmethoden
Fahrschullehrer Manfred Schüttengruber kann mit speziellen Lernmethoden Hilfestellung beim Erlernen des Stoffs geben: „Durch meine spezielle Ausbildung als Legasthenie- und Suggestopädietrainer  kann ich SchülerInnen mit Lernschwächen dabei unterstützen, sich den Prüfungsstoff leichter zu merken. Der Unterricht findet nach herkömmlicher Methode, gemischt mit suggestopädischen Lehrinhalten statt: Das sind zum Beispiel Karten-, Würfel-, Domino- oder Rollenspiele, aber auch verschiedene Interviewtechniken.“ Zudem wird die „Mega-Memory-Methode“ nach Gregor Staub verwendet, mit der sich die FahrschülerInnen zum Beispiel Verkehrszeichen besser merken können. Dabei wird mit Eselsbrücken, Merksätzen, Reimen oder Grafiken gearbeitet.

„Durch eigene Schulungsräume, ausgestattet mit einer Induktionsschleife für schwerhörige TeilnehmerInnen und einem eigenen Übungsparkplatz hier in St. Isidor, können wir die FahrschülerInnen optimal betreuen“, so Schüttengruber. Außerdem stehen spezielle Fahrschulautos für Menschen mit Körperbeeinträchtigungen zur Verfügung.

Beeinträchtigt, lernschwach – aber nicht gefährlich
„Wir bieten mit „Barrierefrei“ kein Schlupfloch, um einfach an den Führerschein zu kommen, sondern Hilfe für all jene, die im herkömmlichen Unterricht nicht soweit gefördert werden können, die Prüfung positiv abzuschließen“, so Schüttengruber. Es muss auch niemand Bedenken haben, dass Menschen mit Beeinträchtigungen auf der Straße andere VerkehrsteilnehmerInnen in Gefahr bringen könnten, denn:
- Jeder/jede Fahrschüler/in, beeinträchtigt oder nicht, muss ein ärztliches Gutachten vorlegen, um  überhaupt zur Fahrprüfung antreten zu dürfen. Sollten aus medizinischer Sicht Bedenken gegen die Verkehrszulässigkeit bestehen, ist auch bei unserer Fahrschule keine Ausbildung möglich.
- Die SchülerInnen, die den Kurs bei „Barrierefrei“ absolvieren, müssen allesamt durch die normierte österreichische Fahrprüfung, wir helfen ihnen lediglich am Weg dorthin.
- Bei lernschwachen Menschen liegt keine geistige Beeinträchtigung vor, die im Straßenverkehr zu einer Eigen- bzw. Fremdgefährdung führen könnte. Verlangsamte und wenig vernetzte Denkweisen können durch die neuen Lernmethoden in der Fahrschule verbessert werden.

Erdgas-Fahrschulauto
„Als Caritas ist es uns ein Anliegen, ökologisch verantwortungsvolles Handeln zu fördern, um dem globalen Klimawandel und dessen fatalen Folgen für die ärmsten Länder der Welt entgegenzuwirken. Deshalb haben wir uns auch dazu entschlossen, ein mit Erdgas betriebenes Auto als Fahrschulauto einzusetzen. Die OÖ. Ferngas AG hat uns dankenswerter Weise dabei unterstützt“, so Caritasdirektor Mühlberger. „Es freut mich besonders, dass die Caritas für Menschen mit Behinderungen in der Fahrschule neben dem sozialen Aspekt nun auch den Umweltgedanken mitträgt“, so OÖ. Ferngas-Vorstand KommR Ing. Dr. Johann Grünberger, selbst Fahrer eines Erdgasautos. Er bringt die Umweltvorteile von Erdgas als Kraftstoff auf den Punkt: „Bei Erdgasfahrzeugen reduziert sich der CO2-Ausstoß gegenüber Benzinantrieb um bis zu 30 Prozent, der Ausstoß von Stickoxiden sogar um bis zu 95 Prozent.  Bei der Verbrennung selbst entsteht praktisch kein Ruß oder Feinstaub.“
Zum „Einstand“ übergab Dr. Grünberger Erdgas-Tankgutscheine im Wert von 600 Euro an die Caritas.

www.fahrschule-barrierefrei.at