Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Eine Konditormeisterin im Kongo

Brigitte Schickmaier, Konditormeisterin aus Pettenbach, arbeitet im Rahmen eines ExpertInneneinsatzes der Caritas in OÖ einen Monat im Bäckereiprojekt von Schwester. Hildegard Litzlhammer in Kinshasa.

Frau Schickmaier berichtet über ihre Arbeit:
Der Einstieg in das Ausbildungsprojekt für Bäckerinnen und Konditorinnen von Schwester Litzlhammer ist gut verlaufen. Schon nach kurzer Zeit haben wir Torten ( auch meine Spezialtorte die Trüffeltorte, in Österreich ein absolutes Geheimrezept) gebacken, Zucker gezogen und gegossen, Rosen und Tiere modelliert, schreiben geübt und in der Backstube einiges verbessert.

Ich unterrichte 48 Jugendliche der Berufschule von Sr. Hildegard, der einzigen anerkannten im Kongo. Es ist eine wirklich gute Sache hier, da die Mädchen noch nie mit Konditorarbeit zu tun hatten. Sie lernen gern, um aus der Armut herauszukommen. Jeden Abend wird im Internat, das zur Schule gehört, lautstark und sehr schön gesungen, etwas, dass es bei uns nicht mehr gibt.

Vom Land und Leute habe ich leider noch nichts gesehen, da ich von 8-16 Uhr im Unterricht oder in der Backstube (auch samstags) bin. Ich genieße aber ab 16 Uhr das schöne Wetter mit ca. 30° C auf meinem kleinen Balkon.

Diese Woche sind leider unerfreuliche Dinge vorgefallen.
Ich sitze bei der Schwester im Büro und plötzlich hörten wir mehrere Explosionen.
Wir stürzten die Treppe zur Bäckerei hinunter und mussten mit Entsetzen feststellen, dass beide Backöfen durch einen Kurzschluss in Flammen standen. Sofort liefen alle Mädchen zusammen und wollten das Feuer mit Sand löschen. Ich riss den Feuerlöscher von der Wand und der Wachposten löschte trotz schwerer Rauchentwicklung die Flammen.

Schwester Hildegard musste man einen Stuhl bringen, sie war mit den Nerven am Ende, denn wie sollte in der Nacht das Brot und Gebäck gebacken werden. Das gesamte vorbereitete Brot und die Backstube waren mit dem Löschstaub überdeckt. Die Teiglinge mussten in die Bäckerei, die Schwester Hildegard als erstes Projekt vor langer Zeit in einem anderen Ortsteil aufgebaut hatte, gebracht werden und die Elektriker arbeiteten die ganze Nacht durch, um wenigstens einen Ofen wieder in Gang setzen zu können. Die Einrichtung ist erst 4 Jahre alt, aber eine Versicherung oder eine Garantie gibt es nicht, in Afrika ist alles etwas anders. Die Geräte kommen aus Österreich, deshalb müssen die Ersatzteile für den zweiten Ofen sehr kostenaufwändig zugesendet werden.

Nicht genug des Unglücks. Kurz vor meiner Ankunft ging das Dieselaggregat im Wert von 46.000 Doller kaputt. Da der Strom oft nur bis Mittag vom öffentlichen Netz kommt, ist dies unerlässlich und müsste sofort neu beschaffen werden. Der ganze Betrieb ist dank der sparsamen und guten Führung von Sr. Hildegard gewinnbringend, obwohl sie Waisenkinder versorgt und auch Schulgeld für Kinder von sehr armen Familien bezahlt. Natürlich sind solche unerwarteten Ausgaben, ein Schlag ins Gesicht.

Nun aber zu etwas Erfreulicherem.
Das Mädchen Bischu wurde mit 6 Jahren von Ihren Eltern als Hexe bezichtigt und bei Sr. Hildegard krank abgeliefert. Nun ist Sie ein hübsches, fröhliches 18 jähriges Mädchen und war die beste Konditorin bei Ihrer Abschlussprüfung. Sie und ein Mädchen namens Simone werden meine Nachfolgerinnen um an der Berufschule und in der eigenen Konditorei zu unterrichten.