Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Bedenken anlässlich 25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe in Wels

„Wir sind die Atomgeneration“, so Dr. Wilhelm Achleitner, Direktor des Bildungshauses Schloss Puchberg, zu Beginn der „Bendenkveranstaltung“ am 27. April. Die Auslandshilfe der Caritas OÖ. hatte gemeinsam mit dem Welser Bildungshaus zu einem Abend unter dem Motto „Tschernobyl – 25 Jahre später“ eingeladen. „Wir sind im Schatten der Atombedrohung groß geworden, haben die Aufrüstung der Atommächte miterlebt sowie die Folgen von Atombomben und der Katastrophe von Tschernobyl. Und es schaut nicht danach aus, dass sich etwas an der Bedrohungssituation ändert“, gab Achleitner zu bedenken.

„Es ist für mich schwer verstehbar, dass Atomkraft immer noch als sichere Technologie angesehen wird“, so auch der Direktor der Caritas OÖ, Mathias Mühlberger, in seinem Statement. „Es geht hier aber um Gewinne der Atomindustrie und ganz einfach um menschliche Gier. Dagegen müssen wir eintreten“, so Mühlberger.   

Maga. Sigried Spindlbeck-Luger von der Caritas Auslandshilfe berichtete über die Hilfe der Caritas für die Menschen in Weißrussland – dem Land, das am stärksten von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen war und immer noch ist.  Diese Hilfe konnte erst nach dem Fall des eisernen Vorhangs gestartet werden. 1991 begann die Caritas OÖ. – nach einem großen Spendenaufruf der Zeitschrift „Welt der Frau“ mit dem Start der Hilfslieferungen (Kleidung, Lebensmittelpakete) und der Tschernobylkinder-Erholungsaktion.
Heute hilft die Caritas mit Hilfe von Spenden aus Oberösterreich nach wie vor insbesondere jenen Menschen, die aufgrund der ökonomischen Folgen der Katastrophe in Armut gestürzt wurden – mit Armenküchen, Lernhilfen und Schulausspeisungen für Kinder, Sozialapotheken und vielem mehr.
Für Kinder, die an Krebs erkrankt sind, wurde das Zentrum St. Lukas in Minsk gebaut, in dem sie sich mit ihren Müttern während der Behandlung in der Krebsklinik erholen können. Für Menschen mit Beeinträchtigungen wurden verschiedene Projekte ins Leben gerufen, aktuell wurde ein Kinderdorf für 60 Kinder errichtet.

Der Leiter von „atomstopp_atomkraftfrei leben!“ in OÖ, Roland Egger, berichtete über das Euratom Volksbegehren und gab einen Überblick über die derzeitige Bedrohung durch Atomkraftwerke und die Perspektiven eines Ausstiegs aus der Atomkraft. „Um glaubwürdig zu sein, muss Österreich aus Euratom aussteigen und die Gelder, die derzeit für die Erforschung der Atomkraft verwendet werden, in den Ausbau der erneuerbaren Energien umgelenkt werden“, so Egger.

Gabriele Schweiger, die Obfrau des Vereins „Mütter gegen Atomgefahr“, stellte ihre Initiative vor, die vor 25 Jahren als Reaktion auf die Katastrophe in Tschernobyl von besorgten und zornigen Müttern ins Leben gerufen wurde. Wichtig ist der Initiative insbesondere, die nächste Generation zu sensibilisieren – in Österreich ebenso wie in Tschechien.