Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Zurück im Leben

23.12.14

Dass Harald Bayer heute noch lebt, gleicht einem Wunder. In einer kalten Winternacht war der damals 56-Jährige vor zwei Jahren unglücklich gestürzt, mit dem Kopf aufgeschlagen und liegen geblieben. Als er schließlich gefunden wurde, war er komplett durchgefroren, hatte ein Schädel-Hirn-Trauma und Verletzungen am ganzen Körper.

Für seine Beine kam jede Hilfe zu spät. Durch die weitreichenden Erfrierungen mussten sie über dem Kniegelenk amputiert werden. Selbst nach der Zeit im Krankenhaus war der Zustand von Harald Bayer katastrophal. Seine Verletzungen waren so weitreichend, dass er lange Zeit auf einer Palliativstation verbringen musste.

Vor eineinhalb Jahren musste sich der Rieder dringend einen Platz in einem Pflegeheim suchen, weil er nicht länger auf der Palliativstation des Krankenhauses Ried bleiben konnte. Im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Bernhard in Engelhartszell wurde er fündig. „Als er zu uns kam, war er schwer krank. Seine Vitalwerte waren ganz schlecht“, erinnert sich Caritas-Mitarbeiterin Jacqueline Mittermaier. Die Prognose war vernichtend: Harald Bayer hätte nur noch wenige Tage zu leben. Die MitarbeiterInnen kümmerten sich fürsorglich um den damals 56-Jährigen. „Ganz langsam merkten wir, dass sich etwas bei ihm tat. Er reagierte mit der Zeit auf unser Tun“, sagt Mittermaier. Anfangs kamen nur leichte Andeutungen von „Ja“ und „Nein“, dann begann er mit schwacher Stimme zu sprechen. Innerhalb eines halben Jahres kämpfte er sich Schritt für Schritt zurück ins Leben.

„Ich weiß nichts von meinem Unfall. Ich kann mich erst wieder erinnern, seit es mir besser geht“, erzählt der gelernte Elektriker. Heute ist er stolz und glücklich, dass er selbständig mit seinem Rollstuhl fahren kann. Wenn es das Wetter zulässt, verbringt er seine Zeit gerne draußen im Garten oder auf dem Stiftsgelände. Auch das Schreiben lernte er wieder. Und so verbringt er so manche Stunde beim Schreiben von Karten oder Briefen, insbesondere an seine Mutter und seine drei Geschwister.
Eine weitere Leidenschaft von ihm sind die Berge. Er kennt alle 8.000er, da sein Bruder begeisterter Bergsteiger ist und schon auf vielen Bergen der Welt unterwegs war. „Momentan lese ich ein Buch über Reinhold Messner“, verrät er. Zudem liebt er das Fernschauen,  den Motorsport,  das Skifahren und vor allem den Umgang mit anderen Menschen. „Ich habe viel Kontakt mit den Pflegern und Pflegerinnen, mir geht’s gut, ich fühle mich hier daheim“, lächelt er.