Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Panzer schaffen keine Perspektiven

Portraitfoto von Caritasdirektor Franz Kehrer, Mann mit Bart und Brille im Anzug;

Gastkommentar von Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas OÖ., anlässlich des Welttages der sozialen Gerechtigkeit in den Oberösterreichischen Nachrichten.

Millionen von Euro in verstärkte Sicherheitsmaßnahmen, Aufrüstung für den Krieg gegen den Terror. Sind das die richtigen Antworten auf die Bedrohungen durch islamistische Terroristen? Dabei müssten wir zunächst einmal die richtigen Fragen stellen. Denn wenn in Europa sich immer mehr junge Menschen radikalen Strömungen anschließen und sich sogar als "Gotteskrieger" rekrutieren lassen, dann hat das noch andere Ursachen als Manipulation durch Hetzprediger und Populisten.

Wir sind gezwungen uns die Frage zu stellen, auf welchem Boden diese Radikalismen gedeihen können. Wenn Jugendliche das Gefühl vermittelt bekommen und im Alltag erleben, benachteiligt zu werden, nicht erwünscht zu sein, keine Chancen und Perspektiven im Leben zu erhalten, dann laufen sie Gefahr sich Identität, Gemeinschaft und Anerkennung in radikalen Kreisen zu suchen. Perspektivenlosigkeit lässt sich allerdings nicht mit Panzern bekämpfen. Die einzigen wirklich wirksamen Mittel dagegen sind Bildung, Solidarität und soziale Gerechtigkeit.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die sozialen Probleme global extrem verschärft.  Rund 120 Millionen Menschen sind allein in der EU von Armut bedroht, die Jugendarbeitslosigkeit ist fatal. So lange Staatsbudgets und Banken auf Kosten der Menschen saniert werden, die ohnehin bereits auf der Schattenseite des Lebens stehen, wird die soziale Lage immer explosiver.

Die Folgen sind Armutsmigration, soziale Unruhen und Radikalisierung. Es ist daher höchste Zeit, dass mit noch viel mehr Einsatz an Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit gearbeitet wird. Vor allem jene Länder mit schwachen sozialen Sicherungssystemen müssen dahingehend in die Pflicht genommen, aber auch unterstützt werden. Selbstverständlich muss dafür auch durch steuerliche Maßnahmen ein Ausgleich geschaffen und Versprechungen zu mehr Steuergerechtigkeit eingelöst werden, z.B. dass endlich Steueroasen "trocken gelegt" werden. Und wir müssen alle unsere Lebensweise überdenken: Unser Wohlstand ist vielfach auf Ausbeutung und Leid gebaut, denn unsere Billigprodukte werden zumeist unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert. Und Wohlstand durch Finanzspekulation hat uns erst recht alle zusammen in die Krise gestürzt.

Eine "Aufrüstung" mit Waffen wird uns nicht schützen können. Eine "Umrüstung" der Welt in Richtung sozialer Gerechtigkeit aber sehr wohl.

Franz Kehrer, MAS
Direktor der Caritas in Oberösterreich