Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Kinder brauchen achtsame Beziehungen

Mag.a Edith Bürgler Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, Caritas-Direktor Franz Kehrer, MAS, Landtagsabgeordnete Eva Maria Gattringer, Bischof Dr. Ludwig Scharz, Mag.a Veronika Domberger, Caritas-Bereichsleiterin Pädagogische Beratung und Service, Mag. Stefan Grandy, Pfarrassistent und Erhalter in Garsten, Mitglied im Erhaltervorstand kirchlicher Kindertageseinrichtungen.

Rund 900 HelferInnen aus allen kirchlichen Kindertageseinrichtungen in Oberösterreich kamen am 18. und 19. Februar ins Linzer Oberbankforum zusammen, um sich bei einer pädagogischen Fachtagung Impulse für ihre Arbeit zu holen. Bei der von der Caritas für Kinder und Jugendliche organisierten Fortbildung setzten sie sich mit der Wirkung der eigenen Person auf die Bildung und Erziehung der Kinder auseinander.

"Vor 70 Jahren, gleich nach dem Krieg, wurde von der Diözese Linz das Kindergartenreferat eingerichtet - und zwei Monate später fand bereits die erste pädagogische Fachtagung für die MitarbeiterInnen der damals 89 Einrichtungen statt. Heute gibt es 330 kirchliche Kindertageseinrichtungen in Oberösterreich, mit 2.700 MitarbeiterInnen, die täglich für rund 17.000 Kinder da sind", erklärte Mag.a Veronika Domberger, Bereichsleiterin "Pädagogische Beratung und Service" der Caritas für Kinder und Jugendliche, zu Beginn der Veranstaltung.

"Mit Ihrer Persönlichkeit, mit Ihren Erfahrungen und Haltungen prägen Sie auch das, wie die Kinder in der Welt ankommen und sich entwickeln können", leitete Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, die Tagung ein. Sie dankte den HelferInnen für ihre wertvolle Arbeit mit den Kindern.  Auch die Ehrengäste würdigten diese Arbeit: "In einem afrikanischen Sprichwort heißt es, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen. Danke, dass Sie ein Teil dieses Dorfes sind", so Landtagsabgeordnete Eva Maria Gattringer, die Grüße von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Landesrätin Mag. Doris Hummer überbrachte. Bischof Dr. Ludwig Schwarz wünschte den TeilnehmerInnen "viel Freude bei der Arbeit mit den Kindern, dem ,erlesensten Teil unserer Gesellschaft‘!"

Grundhaltung der Zugewandtheit
Zum Thema "Haltung wirkt" sprach bei der Tagung Martina Pfohl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Charlotte Bühler Institut und Mitautorin des BildungsRahmenPlanes, der seit 2009 für alle österreichischen Kindertageseinrichtungen gilt. Sie stellte dar, was die moderne Bildungsforschung zeigt: Viele und besonders nachhaltige Lern- und Bildungsprozesse finden in informellen Situationen statt, wie zB. im Alltag, während der Mahlzeiten oder bei Gesprächen zwischen Kindern und Erwachsenen. "Der Alltag im Kindergarten ist Bildungszeit", so Pfohl. "Bildung wird laut BildungsRahmenPlan als lebenslanger Prozess der aktiven Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt verstanden." Die Qualität dieser Bildungsprozesse ist abhängig vom Klima, in dem Begegnungen stattfinden, sowie von persönlichen Werten, Haltungen und Einstellungen der jeweiligen Bezugsperson. "Beziehungen, achtsame Begegnungen sind das Wichtigste, was Kinder brauchen", so Pfohl. Nicht immer gelinge es, zu allen Kindern gleich gute Beziehungen aufzubauen. "Wichtig ist, daran zu arbeiten, dass es uns immer besser gelingt", betonte Pfohl. "Grundlegend ist die Bereitschaft, jedes Kind so anzunehmen, wie es ist und zu versuchen, Erklärungen zu finden, warum einzelne Kinder besonders fordernd sind." Sehr wichtig sei auch die Kommunikation: "Routine-Handlungen wie das Wickeln oder Anziehen der Kinder geschehen oft sehr sprachlos - wichtig wäre, zu versprachlichen, was getan wird." Voraussetzung für gelingende Beziehungen und damit auch Bildung sei eine Grundhaltung der Zugewandtheit, Kommunikation und Wertschätzung.

Grunderfahrungen schaffen religiöse Bildung
Über Persönlichkeitsentwicklung durch religionspädagogische Begleitung referierte Psychotherapeut Prof. Dr. Mag. Kurt Finger. Er meinte, dass es nicht darauf ankomme, den Alltag in Kindertageseinrichtungen mit "einem religiösen Zuckerguss" zu überziehen. "Religiöse Bildung heißt, den Alltag unter dem Anspruch Jesu zu gestalten - wo wir im Geist Jesu handeln, machen wir Religion und Christentum für Kinder erfahrbar." Wichtig sei, dass die Kinder Grunderfahrungen machen könnten. Dazu gehöre zunächst das Vertrauen, sich an etwas festhalten können. Sie sollten die Erfahrung machen, dass sie sich sicher sein können, "aus der Zuwendung nicht herauszufallen". Eine wesentliche Grunderfahrung sei auch das Feiern. "Feiern heißt Inne halten, Gemeinschaft erleben und sich auszutauschen", so Finger. Dazu gehöre auch das "gemeinsame Mahl halten". "In allen Religionen hat das Essen einen Charakter, der über das Alltägliche hinausweist.