Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Menschlichkeit statt Bettelverbot

Foto: Stiftinger

Dass Linz nun das sektorale Bettelverbot in die Tat umsetzt, ist ein Akt gegen die Menschlichkeit. Und: Armut lässt sich nicht verbieten, nur an andere Orte hin verschieben. Aber es ist eben sehr unangenehm für uns, durch bettelnde Menschen so deutlich und unmittelbar mit dem Thema Armut konfrontiert zu werden. Wenn in der Öffentlichkeit immer wieder damit argumentiert wird, dass es das Bettelverbot deshalb brauche, um die BettlerInnen vor der Ausbeutung ihrer „Bandenchefs“ zu schützen, dann ist das wohl nur als Mittel zum Zweck zu werten. Als Mittel, um den wahren Grund des Verbotes zu verschleiern: Wir wollen die lästige Armut aus unserem Blickfeld schaffen.

Denn weder Zeitungsredakteure noch Politiker haben es bisher der Mühe wert gefunden, die Betroffen zu fragen, ob sie tatsächlich ausgebeutet werden und Schutz brauchen. Als Caritas sind wir bereits seit Jahren in ständigem Kontakt mit vielen der betreffenden Menschen und wissen daher sehr viel über ihre Lebensrealität. Sie sind in der Weise "organisiert", dass sie in Familienverbänden nach Linz kommen und sich die Fahrt hier her und auch innerhalb von Linz gemeinsam organisieren. Es gibt jedoch keinen reichen „Boss“ im Hintergrund, der die Menschen zum Betteln schickt und ausbeutet. Die Menschen sehen das Betteln derzeit als einzige Einkommensquelle für sich und ihre Familien in Rumänien. Viele von ihnen würden viel lieber in Österreich eine Arbeit finden, aufgrund mangelnder Qualifizierungen und Deutschkenntnisse ist das aber nicht einfach.

Aggressives Betteln ist natürlich abzulehnen, aber dagegen konnte auch schon bisher vorgegangen werden. Das sektorale Bettelverbot wird nicht verhindern können, dass die Menschen weiter zu uns kommen, um ihr Überleben zu sichern. Dass Linz nun in Rumänien helfen will, ist sehr zu begrüßen, es bleibt zu hoffen, dass das auch tatsächlich umgesetzt wird. Bis dahin braucht es allerdings weiter auch die notwendige Unterstützung, dass die Menschen die zu uns kommen, hier menschenwürdig leben können. Als Caritas haben wir dafür seit ein paar Jahren verschiedene Projekte zur Notversorgung für ArmutsmigrantInnen eingerichtet. Wenn diese Projekte von der Stadt Linz unterstützt würden, könnte sie auch hier einen Beitrag für mehr Menschlichkeit leisten. Die Einrichtung von Notschlafplätzen und Möglichkeiten zum Duschen und Waschen wäre außerdem eine sozialere Maßnahme als das Räumen von Zeltlagern, denn derzeit dürfen Menschen aus Osteuropa in keiner Notschlafstelle übernachten.

Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich