Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Freiwilliges Integrationsjahr in Oberösterreich gescheitert

Foto: Stiftinger

Caritas: Freier Wille zu gemeinnütziger Arbeit nicht erwünscht, Verpflichtung mit vielen Fragezeichen

Anfang 2016 hatte die Bundesregierung die Möglichkeit zur Absolvierung eines „Freiwilligen Integrationsjahres“ für asylberechtigte Menschen in Österreich geschaffen. Damit wird Flüchtlingen, die in Österreich bleiben dürfen, die Chance gegeben, durch die Kombination von Schulungen und Praxis in gemeinnützigen Einrichtungen erste Berufserfahrungen zu sammeln und sich weiter zu bilden. Nicht zuletzt eröffnet es auch die Möglichkeit, dass die Menschen dann im Anschluss in den gemeinnützigen Einrichtungen eine Arbeitsstelle finden.

„Das Freiwillige Integrationsjahr wäre eine sehr sinnvolle Integrationsmaßnahme. Wir haben umgehend in Oberösterreich rund 50 Einsatzstellen in Einrichtungen der Caritas und anderen kirchlichen Stellen geschaffen und auch das nötige begleitende Schulungsprogramm eingerichtet. Bürokratie und politisches Hick-Hack auf Landesebene haben allerdings bislang einen Start des Programmes in Oberösterreich verhindert“, kritisiert Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich. Viele Asylberechtigte wollten bereits dieses Jahr absolvieren, die Behörden verweigern ihnen allerdings in der Regel den Bezug der Bedarfsorientierten Mindestsicherung. Nachdem es sich bei dem Integrationsjahr allerdings um einen unbezahlten Einsatz handelt, würden die TeilnehmerInnen ohne jedes Einkommen dastehen.

„Es ist grotesk: Der freie Wille zu gemeinnütziger Arbeit wird verhindert, während gleichzeitig von verschiedener politischer Seite die Verpflichtung dazu gefordert wird und im Arbeitsprogramm der Regierung nun auch enthalten ist. Außerdem zeigt dieses Problem, welche Blüten Föderalismus und Bürokratie bei uns treiben können, wenn ein Bundes-Gesetz nicht in die Praxis umgesetzt werden kann“, so Kehrer. Oberösterreich ist das einzige Bundesland, wo das Freiwillige Integrationsjahr dadurch gescheitert ist.

„Eine Verpflichtung trägt zum einen wieder die Unterstellung in sich, dass die Menschen das nicht freiwillig tun würden. Darüber hinaus sind viele entscheidende Fragen noch ungeklärt“, kritisiert Kehrer. Denn eine Verpflichtung setze natürlich voraus, dass genügend Angebote vorhanden sein müssen, um auf einen Schlag tausende Menschen die Teilnahme überhaupt zu ermöglichen.

„Dass die Regierung vor hat, die Bildungsangebote tatsächlich entsprechend aufzurüsten, ist positiv zu sehen. Doch wenn sich das ebenfalls vorgesehene Arbeitstraining nur auf Tätigkeiten bei Zivildienstträgern beschränken soll, wird es äußerst problematisch, dafür ausreichende arbeitsmarktneutrale Einsatzstellen zu finden. Wenn es um Einsatzstellen im Sozialbereich geht, ist zu beachten, dass nicht alle Menschen dafür die nötige Eignung mitbringen. Nicht zuletzt im Hinblick auf die weitere Arbeitsmarktintegration wäre wichtig, dass die Leute alternativ Praktika in Wirtschaftsbetrieben absolvieren könnten, vor allem, wenn sie bereits entsprechende berufliche Qualifikationen mitbringen.“

 

Information zum Freiwilligen Integrationsjahr:

Das Freiwillige Integrationsjahr (FIJ) ist eine Sonderform des Freiwilligen Sozialjahres und richtet sich an  Asylberechtigte (ihr Asylverfahren wurde positiv entschieden und sie dürfen in Österreich bleiben) und Subsidiär Schutzberechtigte. Angeboten werden kann es von all jenen Organisationen, die Zivildiener beschäftigen oder bei denen ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert werden kann.

Das Freiwillige Integrationsjahr (mindestens 6 bis maximal 12 Monate) ist ein Arbeitstraining in Kombination mit einem Schulungsprogramm. In den Schulungen (150 Stunden) werden u.a. vertiefende Deutsch-Kenntnisse sowie österreichische Werte vermittelt. Laut Bundes-Gesetz erhalten die TeilnehmerInnen weiterhin die Bedarfsorientierte Mindestsicherung, um während der Teilnahme ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.