Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Flüchtlingskindern im Libanon eine Zukunft geben

Marie Ghiya aus dem Libanon ist derzeit zu Gast in Oberösterreich. Sie leitet das Internat St. Vinzenz, wo Kinder aus armen libanesischen Familien und syrische Flüchtlingskinder ein sicheres Zuhause finden.

Der kleine Libanon, der sich selbst vom Bürgerkrieg erholen müsste, stemmt derzeit die Hauptlast des Flüchtlingsstroms im Nahen Osten. Das kleine Land droht unter dieser Last langsam zu zerbrechen. Das Staatsgebiet, das die Größe von Tirol hat, bevölkern 7,5 Millionen Menschen. Rund zwei Millionen von ihnen sind nach Angaben der Regierung Flüchtlinge, die seit dem Ausbruch des Syrienkriegs 2011 hier gestrandet sind. Viele von ihnen hausen in illegalen Lagern, ohne Toiletten, Bett und Küche. Bis zu 13 Menschen teilen sich ein 20 Quadratmeter großes Zelt. „Unter diesen unmenschlichen Bedingungen leiden die Kinder am meisten. Gewalt steht auf der Tagesordnung. Manche werden zur Prostitution gezwungen, missbraucht, drogenabhängig gemacht oder Opfer von Organhändlern“, berichtet Marie Ghiya. Es wird geschätzt, dass in den Flüchtlingslagern rund 400.000 Kinder unter 15 Jahren leben – viele von ihnen sind dort zur Welt gekommen.

Das staatliche Schulsystem kann trotz Zwei-Schichtbetrieb die vielen Flüchtlingskinder nicht aufnehmen. In großen UNHCR-Schulzelten wird ebenso ein Teil der Flüchtlingskinder unterrichtet. In der Grundschule St. Vinzenz von den Barmherzigen Schwestern sind ebenfalls 117 Flüchtlingskinder integriert. Dort werden Kinder aus armen libanesischen Familien und Flüchtlingskinder gemeinsam unterrichtet. Die Caritas Österreich unterstützt das Projekt seit Jahren, finanziert zusätzlichen Nachmittagsunterricht für die Flüchtlingskinder, das Essen und zwei Psychologinnen für die Kinder. „Die Psychologinnen helfen den Kindern, ihre traumatisierenden Erlebnisse zu verarbeiten und sich besser in die Klasse zu integrieren“, sagt Marie Ghiya, die das an die Schule angeschlossene Internat leitet. Kinder aus besonders armen Familien bekommen einen Platz in dem der Schule angeschlossenen Internat. „Sie bleiben bei uns, weil ihre Familien für die Kinder nicht genug zu essen haben und sich nicht um sie kümmern“, so Marie Ghiya. Am Wochenende geht es für die Kinder zurück zu ihren Familien.

„Die Situation in den Flüchtlings-Camps spitzt sich immer mehr zu. Von der internationalen Staatengemeinschaft gibt es immer weniger Geld zur Versorgung der Flüchtlinge. Man hat den Eindruck, sie wollen, dass die Menschen bei uns sterben“, sagt Marie Ghiya.

Nähere Infos zur Hilfe der Caritas in Syrien und den Nachbarländern finden Sie hier.